Glühwein ist nicht nur reich an Alkohol
Für Menschen mit Histamin-Intoleranz sind die Feste der Vorweihnachtszeit ein kulinarischer Drahtseilakt.
Von Kathrin Siller
Innsbruck –Die Vorweihnachtszeit ist eine Phase des Schlemmens: Törggelen, Weihnachtsfeiern, Glühweintreffen am Christkindlmarkt – ein Event jagt das andere. Menschen mit einer Histamin-Intoleranz tun speziell die Versuchungen des Advents aber überhaupt nicht gut. „Histamin wird von Bakterien aus der Aminosäure Histidin gebildet und ist vor allem in eiweißreichen Nahrungsmitteln enthalten, die alt werden“, erklärt Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski. Bei einer Histamin-Intoleranz kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen der Bildung (auch der Körper bildet Histamin), der Zufuhr und dem Abbau des Histamins.
Viel Histamin enthalten Sekt, Wein, Glühwein, Bier, Parmesan, Schinken, Prosciutto, Speck, Salami, aber auch Walnüsse und Sauerkraut. Lebensmittel, die lange gelagert und transportiert sowie chemisch behandelt werden, können genauso gut histaminreich sein. Gleich wie Früchte, die unreif geerntet und künstlich zum Reifen gebracht werden (z.B. Bananen, Zitrusfrüchte).
Frisches Essen ist weit weniger betroffen. „Deswegen kann es vorkommen, dass ein Patient auf ein Schnitzel, das er zu Haue isst und das bis zum Zubereiten im Kühlschrank gelagert wurde, nicht reagiert, aber auf eines, das er im Restaurant bekommt, schon“, hat der Ernährungsmediziner beobachtet.
Wenn sich das Histamin im Körper anhäuft, können die unterschiedlichsten Symptome auftreten. Sie sind denen einer Allergie ganz ähnlich: juckende, tränende Augen, eine verstopfte oder rinnende Nase, eine chronische Schleimhautschwellung in den Nasennebenhöhlen, Räusperzwang, Asthma, Bauchschmerzen und explosionsartige Durchfälle, Harndranginkontinenz, analer und genitaler Juckreiz, Kreislaufprobleme (das typische Rotanlaufen nach einem Schluck Sekt), starke Regelschmerzen und -blutungen. Manchmal ist nur ein Symptom zu beobachten, je nachdem, wo der Betroffene seine Schwachstelle hat.
Ledochowski schätzt, dass etwa zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung an einer solchen Unverträglichkeit leiden. Menschen, die bereits eine Allergie haben, tragen übrigens ein höheres Risiko, auch auf Histamin zu reagieren.
Zum Glück lässt sich das Leiden ziemlich gut in Schach halten. Am besten wäre es, man würde histaminreiche Lebensmittel von seinem Speiseplan streichen. Wer sich aber doch gerne eine Tasse Glühwein gönnt, der kann die Symptome mit Antihistaminika blockieren. Das Medikament hilft meist auch noch nach dem Genuss des Weins.
Eine andere Möglichkeit bietet die Zufuhr des Enzyms Diaminooxidase, das den Histaminabbau unterstützt. „Es hilft allerdings nicht immer und birgt auch Gefahren in sich“, warnt Ledochowski. Vor der Einnahme sollte daher ein Arzt den Nutzwert abschätzen.