EZB-Direktor Asmussen wird Staatssekretär von SPD-Ministerin

Bei der Besetzung der Staatssekretärsposten in der neuen deutschen Bundesregierung hat die SPD am Sonntag eine überraschende Personalie verkündet: EZB-Direktor Jörg Asmussen wird beamteter Staatssekretär von Andrea Nahles im Ministerium für Arbeit und Soziales.

Jörg Asmussen gibt seinen Top-Job bei der EZB auf.
© REUTERS

Von Tim Braune und André Stahl, dpa

Berlin - Es ist ein krasser Seitenwechsel. Vor ein paar Wochen saß Jörg Asmussen noch im Berliner Hotel Adlon auf dem Podium und stritt mit Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen über die Bankenaufsicht. Auch mit Wolfgang Schäuble, seinem Ex-Chef im Finanzministerium, legte sich der „Außenminister“ der Europäischen Zentralbank (EZB) schon mal an, wenn es um Macht und Details bei der Kontrolle von Europas Geldhäusern ging.

Das war Asmussens Welt. Ein Finanzprofi mit SPD-Parteibuch, der mehreren deutschen Finanzministern diente. Auf Augenhöhe mit den Mächtigen der Finanzwelt, deren Handynummern er alle hat. Aus und vorbei. Asmussen kommt nach Berlin zurück und gibt den Topjob bei der EZB in der Mainmetropole Frankfurt zu einem heiklen Zeitpunkt auf. Die Staatsschuldenkrise ist längst nicht eingedämmt, die Umsetzung der Bankenunion wird die EZB viel Kraft kosten.

Dort lief seine Amtszeit noch bis 2020. Der 47-Jährige wird jetzt Staatssekretär im Arbeitsministerium. Sein Vorgesetzter heißt nicht mehr Mario Draghi - sondern Andrea Nahles. Für die SPD, die auf das Finanzministerium verzichtete, ist die Personalie ein Coup. Asmussen will mit Nahles zusammen „eine moderne Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik“ vorantreiben.

Für Asmussen, der Medienrummel nicht mag, bedeutet der neue Posten weniger Geld, weniger Prestige. Stattdessen Hartz-IV-Gesetze, Mindestlohn, Rente, Leiharbeit und Werkverträge. Am Sonntagabend erklärte Asmussen zu seinem Wechsel schriftlich, dass ihm die Pendelei von Berlin, wo er mit Frau und zwei kleinen Kindern lebt, zum EZB-Sitz in Frankfurt zuviel geworden sei: „Es gibt keine anderen Gründe für diesen Schritt.“

Draghi: „Werde Asmussen vermissen“

Oder ist da doch mehr? Wirft schon wieder ein Deutscher bei der EZB das Handtuch, weil er gegen Italiener und Franzosen in der Chefetage nichts ausrichten konnte? Asmussen hatte Draghis Kurs öffentlich aber stets verteidigt. Dieser dankte am Abend dem Deutschen für „enorme Hilfe“ bei der Gestaltung der Geldpolitik. Draghis Würdigung („Ich persönlich werde ihn vermissen.“) fiel mit zwei Sätzen aber nicht besonders lang aus.

An diesem Montag werden mögliche Kursbewegungen zeigen, ob die Märkte an die rein privaten Motive glauben, oder aus dem Abgang Asmussens doch Rückschlüsse auf das Innenleben der EZB ziehen.

Vor zwei Jahren hatte es einen ähnlichen Paukenschlag gegeben. Jürgen Stark, damals EZB-Chefvolkswirt, schmiss hin, weil er die milliardenschwere Anleihe-Ankäufe von Krisenländern nicht mitverantworten wollte. Asmussen wurde als Nachfolger ins Rennen geschickt - von der Kanzlerin höchstpersönlich, aber vergeblich. Angela Merkel konnte die Personalie nicht durchsetzen. Paris blockierte.

Merkel betont deutschen Anspruch auf Sitz in EZB-Direktorium

Asmussen zog dann ins Direktorium der EZB ein, wo er als „Außenminister“ durch die Euro-Länder tourte und das Krisenmanagement kontrollierte. Nun müssen Merkel und Schäuble rasch einen Nachfolger finden. Noch einmal will sich die Kanzlerin nicht von Euro-Partnern ausbremsen lassen.

„Deutschland wird eine Nachbesetzung in der EZB machen“, sagt Merkel unmissverständlich. Vielleicht schickt sie dieses Mal eine Frau zur EZB. Mögliche Kandidatinnen: Bundesbank-Vize Sabine Lautenschläger, die Wirtschaftsweise Claudia Buch oder die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König. Auf das unverhoffte Wiedersehen mit SPD-Mann Asmussen, in der Finanzkrise von 2008 wichtiger Macher und Ratgeber, freut sich Merkel: „Ich werde mit Sicherheit gut mit ihm zusammenarbeiten.“


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