Konflikte

Libanesischer Scharfschütze tötete israelischen Soldaten

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Jerusalem legte bei der UNO-Mission im Libanon Protest gegen die „skandalöse Verletzung der Souveränität Israels“ ein.

Jerusalem - Ein israelischer Soldat ist am Sonntagabend an der Grenze zum Libanon getötet worden. Verteidigungsminister Mosche Yalon teilte am Montag mit, die tödlichen Schüsse seien augenscheinlich von einem libanesischen Soldaten abgegeben worden. Ebenfalls am Sonntagabend wurden in der südlibanesischen Hafenstadt Sidon ein Soldat und vier Angreifer bei zwei Anschlägen auf Armeeposten getötet.

Jerusalem protestierte bei UNIFIL

Der israelische Unteroffizier sei am Sonntagabend bei Rosh Hanikra durch Schüsse regulärer libanesischer Soldaten verwundet worden, als er mit einem zivilen Fahrzeug zu seinem Stützpunkt unterwegs war, sagte Armeesprecher Arje Shalikar der Nachrichtenagentur AFP. Im Krankenhaus sei er seinen Verletzungen erlegen.

„Als wir kurz darauf den Ort erreichten und durchkämmten, sahen wir zwei Verdächtige auf der anderen Seite der Grenze“, berichtete Shalikar. „Wir haben auf sie geschossen und mindestens einen getroffen. Nach unserem Eindruck waren die beiden libanesische Armeeangehörige“, die in den Vorfall „verwickelt“ gewesen seien.

Die israelische Armee legte nach eigenen Angaben bei der UN-Mission im Libanon (UNIFIL) Protest gegen die „skandalöse Verletzung der Souveränität Israels“ ein. Von libanesischer Seite wurde der Vorfall zunächst offiziell nicht bestätigt. UNIFIL-Sprecher Andrea Tinenti sagte, die UN-Mission sei über einen „ernsthaften“ Grenzzwischenfall informiert worden. Derzeit werde versucht, die Tatsachen zu überprüfen. Der UNIFIL-Kommandant sei im Kontakt mit beiden Seiten und habe „zur Zurückhaltung“ ermahnt.

Fünf Tote bei Anschlägen auf libanesische Armee

Yalon bestätigte, Verbindungsoffiziere beider Seiten sollten noch am Montag gemeinsam mit der UNIFIL den Zwischenfall erörtern. „Wir machen die Regierung und die Armee des Libanon für alles verantwortlich, was auf ihrer Seite der Grenze passiert“, sagte der Verteidigungsminister. Zuletzt waren im August 2010 bei einem Zwischenfall an der israelisch-libanesischen Grenze ein israelischer und zwei libanesische Soldaten sowie ein Journalist erschossen worden.

In Sidon wurden bei zwei Anschlägen auf Armeeposten fünf Menschen getötet. Ein bewaffneter Mann habe am Sonntagabend an einem Kontrollposten in Sidon eine Handgranate gezündet, teilte die Armee mit. Soldaten hätten den Angreifer erschossen. Kurz darauf habe sich an einem weiteren Militärposten in der Hafenstadt ein Angreifer mit einer Handgranate in die Luft gesprengt und dabei einen Soldaten mit in den Tod gerissen. Bei dem anschließenden Feuergefecht seien zwei weitere Attentäter erschossen worden.

Die Sicherheitskräfte verstärkten ihre Präsenz auf den Hauptstraßen der Stadt. Im Juni hatten sich in Sidon Anhänger des radikalen sunnitischen Predigers Ahmed al-Assir heftige Gefechte mit der Armee geliefert. Mindestens 29 Soldaten und Angreifer wurden damals getötet. Al-Assir ist seitdem auf der Flucht. Der Prediger ist für seine feindliche Haltung gegenüber der schiitischen Hisbollah-Miliz bekannt. (APA/AFP)