Bedarf an Hilfe von Mann zu Mann ist groß
Vor einem Monat fiel der Startschuss zur ersten Männerberatungsstelle Osttirols. Hilfe ist vor allem bei Trennung und Jobproblemen gefragt.
Von Claudia Funder
Lienz –Wo Männern genau der Schuh drückt, war kaum abschätzbar, bevor sich am 20. November die Tür zur Beratungsstelle MENergie öffnete. Die Leistungen der neuen Plattform sind vielfältig. Das Trio Stefan Leibetseder, Thomas Goller und Heinz Pfeifer bietet in allen belastenden Phasen der Veränderung Orientierung, Rat und Hilfe an.
In den letzten Wochen zeigte sich vor allem eines klar: Der Bedarf ist groß. Die Eröffnung der Beratungsstelle war nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir – noch bevor wir ausreichend vernetzt sind – schon so gebraucht werden“, freut sich Thomas Goller über das große Echo. „Die Leute schätzen das Angebot, vieles läuft über Mundpropaganda.“
Auch wenn Mann es häufig nicht leicht fällt, Hilfe von außen zu holen, wird der Schritt doch gewagt. „Die meisten vereinbaren telefonisch einen Termin, viele kommen aber auch direkt vorbei – manchmal mit einem Zeitungsausschnitt über MENergie in der Hand“, berichtet Goller.
Doch wann schlittert Mann in die Krise? Das MENergie-Team war in seiner bisherigen Tätigkeit schon mit unterschiedlichen Anliegen konfrontiert. „Es war von allem etwas dabei“, so Goller in einem Rückblick auf die ersten Wochen. Schwerpunkte zeichnen sich dennoch bereits ab. „Ein Hauptteil liegt im Bereich Scheidung, Unterhalt und Kinder“, betont Goller. „Hier wird MENergie vielfach als erster Ansprechpartner gewählt.“ Die Stelle bietet auch Paar- und Scheidungsmediation an, um Rosenkriege zu verhindern und Wege für eine außergerichtliche Klärung zu ebnen. In rechtlichen Angelegenheiten werden Betroffene an Juristen weiterverwiesen.
Ein weiteres großes Thema sei der Arbeitsbereich, die Krise, wenn Mann ohne Job dasteht. Auch hier wird beraten und vermittelt, etwa an das Arbeitsmarktservice.
Auch Jugendliche fanden den Weg in die Männerberatung. „Themen waren etwa die sexuelle Entwicklung oder die Freizeitgestaltung“, so Goller. „In erster Linie nahmen die Eltern den Kontakt mit uns auf.“
Bei den Altersgruppen, die bisher Hilfe suchten, überwog jene der 30- bis 50-Jährigen und die der unter 18-Jährigen. „Es ist für manche ein Riesenschritt, sich eine Krise einzugestehen und bei uns anzurufen“, weiß Goller.
Die Männerberatungsstelle, die eine Startförderung der Stadt Lienz von 3000 Euro erhielt, arbeitet daran, sich gut mit verschiedenen Institutionen zu vernetzen. Die erste Beratung ist übrigens gratis. Kinder- und Jugendliche werden überhaupt kostenlos betreut. Goller: „Hier bemühen wir uns intensiv um Förderer.“ In Akutsituationen ist das Team jederzeit telefonisch erreichbar.