Tiroler Kameramann Riml

Plötzlich hieß der SS-Offizier „Steinach“

Mehr als ein Dutzend Hollywood-Stars hatte der Tiroler Kameramann Walter Riml vor 50 Jahren für den Klassiker „Gesprengte Ketten“ gefilmt – und fotografiert. Der Bildband erzählt einige Anekdoten zu den Dreharbeiten.

Von Matthias Christler

Innsbruck – Steve McQueen, James Garner, Charles Bronson und Richard Attenborough kriechen vor genau 50 Jahren auf der Kinoleinwand durch einen Tunnel hinaus aus dem Gefangenenlager der Nazis. Quer durch Deutschland versuchen die Kriegsgefangenen ihre Flucht. Richard Attenborough, der im Klassiker „Gesprengte Ketten“ den Anführer spielt, schafft es nicht. An einem Drehort in Füssen wird er vor einem Zigarettenautomaten festgenommen – von einem SS-Offizier mit dem Namen „Steinach“.

„Auf den Namen des Offiziers sind meine Frau und ich erst bei unseren Recherchen gestoßen“, sagt Christian Riml. Er ist der Sohn von Walter Riml, der 1962 Chef des zweiten Kamerateams bei „Gesprengte Ketten“ war. Die Familie Riml lebte damals in Steinach am Brenner. „Wir haben nur so gestaunt, dass ,Steinach’ plötzlich als Figur im Film auftaucht. Wir erfuhren, dass die Rolle ursprünglich nicht vorgesehen war und dann schnell ein Name, der keinen Bezug zu realen Personen hat, hermusste. Dann hat man eben den Heimatort meines Vater genommen“, erzählt Riml. Nur eine von Dutzenden Anekdoten über seinen 1994 im Alter von 98 Jahren verstorbenen Vater.

Die US-Produktion suchte sich als Drehort die Bavaria-Film-Studios für die Lagerszenen und die Außenaufnahmen entstanden im Allgäu und in Füssen. Regisseur John Sturges war auf Riml durch dessen vorige Arbeiten aufmerksam geworden und engagierte ihn. Bei den Dreharbeiten konnte der Kameramann bislang unveröffentlichte Fotos von Steve McQueen und den anderen Stars machen. Diese sind pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum des Films von Christian Riml und seiner Frau Helma Türk in dem Bildband „Gesprengte Ketten – The Great Escape, Behind the scenes“ zusammengefasst worden.

Genau dokumentiert wird etwa die legendäre Szene, bei der Steve McQueen auf der Flucht mit einem Motorrad über zwei Stacheldrahtzäune springen will. Den ersten meistert er, im zweiten bleibt er hängen. „Das war kein echter Stacheldraht, man hätte Steve McQueen doch nicht da hineinfahren lassen können. Es war nur ein Gummiband, das vom Filmteam in den Drehpausen selbst hergestellt wurde“, verrät der Sohn des Kameramanns. Fast 150 von Rimls Fotografien prägen den Bildband. Einige Schauspieler haben ihn mit persönlichen Erinnerungen ergänzt, eines von insgesamt elf Drehbüchern ist abgebildet und dazu noch Tagesdispositionen. Man erfährt, wie viele Gallonen Kaffee die Crew an einem Tag verbrauchte oder an welchem Tisch eines Füssener Hotels Charles Bronson Poker spielte.

Das Drehbuch hat Christian Riml noch. Verkaufen würde er es nie im Leben. „Das gehört in unseren Familienbesitz, dieses Andenken geben wir nicht her.“ Die Erinnerungen kommen natürlich immer wieder, wenn er den Film sieht.

Für den Bildband hat er „Gesprengte Ketten“ natürlich erneut angesehen, „so um die 15-mal, aber natürlich kannte ich ihn schon vorher. Mein Papa ist am Wochenende heim nach Steinach gekommen und hat uns erzählt, wie professionell die Amerikaner arbeiten“. Stolz sei er natürlich auf seinen Papa immer gewesen. Im Zuge der Recherchen habe er außerdem von einem Schauspieler erfahren, wie akribisch sein Vater gefilmt habe. „Er achtete offenbar ganz genau auf die Lichtverhältnisse. Wenn zu viele Wolken waren und das Licht nicht für die Szene passte, drehte er nicht.“

Wie anerkannt der Tiroler Kameramann war, zeigt ein Eintrag auf einer Disposition an einem der letzten Tage vor der Abreise der Stars. In Englisch steht geschrieben: „ ... let’s start of with dinner and a blast.“ Die deutsche Übersetzung für „blast“ steht vielsagend in Klammer und lautet kurz: „Oan sauf’n“. Offenbar hatte die Crew etwas zu feiern. Es war der 23. September 1962, der Geburtstag von Walter Riml.

Buch-Tipp

„Gesprengte Ketten – The Great Escape, Behind the scenes“, Helma Türk/Christian Riml (Herausgeber), 153 Seiten, 28 Euro.

Ausschließlich zu bestellen bei „WaRis“, dem privaten Tiroler Filmarchiv: tiroler-filmarchiv.at und camera@walter-riml.at

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