Boxen

Im Kampf für die Demokratie bleibt Klitschko keine Zeit für den Boxring

Vitali Klitschko und seine Unterstützer auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew.
© EPA/SERGEY DOLZHENKO

Vitali Klitschko verabschiedet sich für längere Zeit vom Boxen. Vermutlich für immer. Derzeit kämpft er in der Ukraine für Demokratie und Recht. Jetzt muss sein Bruder die Lücke füllen.

Hamburg – Volldampf-Politiker Vitali Klitschko hat seinen Abschied vom Profiboxen eingeleitet. Was dem Beobachter längst klar war, hat der Boxverband World Boxing Council (WBC) jetzt festgeschrieben: Seinen Titel als Schwergewichtsweltmeister musste der 42-jährige Ukrainer freigeben. Fortan ist er nur noch Champion im Ruhestand. Seine politische Arbeit in vorderster Linie auf dem Maidan von Kiew, wo er um Demokratie und Anbindung an den Westen kämpft, lässt weder Training noch Duelle im Ring zu. Derzeit wird Klitschko ohnehin mehr von europäischen Außenministern konsultiert denn von Boxmanagern und Promotern.

45 Siege in 47 Profikämpfen

„Das Angebot des WBC gibt mir die theoretische Möglichkeit, in den Ring zurückzukehren, was ich mir nach aktuellem Stand jedoch überhaupt nicht vorstellen kann. Meine Konzentration gilt der Politik in der Ukraine. Ich spüre, dass die Menschen mich dort brauchen“, beteuerte Klitschko, der 45 seiner 47 Profikämpfe gewann und mit einer K.o.-Quote von 87,23 Prozent eine sagenhafte Bilanz vorweist.

Das Angebot des WBC gibt mir die theoretische Möglichkeit, in den Ring zurückzukehren, was ich mir nach aktuellem Stand jedoch überhaupt nicht vorstellen kann. Meine Konzentration gilt der Politik in der Ukraine. Ich spüre, dass die Menschen mich dort brauchen
Vitali Klitschko

„Es ist wirklich schade, aber logisch“, sagte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), zu dessen Hoheitsgebiet die Klitschko-Brüder gehören. Denn Beide boxen mit deutscher Lizenz. „Die aktuelle Entwicklung schließt eine Rückkehr Vitalis eigentlich aus. Wir haben einen tollen Sportsmann verloren. Aber die Ukraine hat eine super Politiker gewonnen.“ 2015 bewirbt sich Klitschko um das Präsidentenamt seines Landes.

Wenn er denn will, darf „Dr. Eisenfaust“, wie Klitschkos Kampfname lautet, zurück in den Ring und sofort gegen den dann amtierendenden WBC-Weltmeister antreten. Glauben mag daran aber kaum jemand. Immerhin: Das Prozedere der Wiederkehr kennt der zwei Meter große Athlet. 2005 hatte er nach zahlreichen Verletzungen entnervt seine Boxerkarriere beendet und war vom WBC zum Ruhestands-Champion gekürt worden. 2008 stand er wieder im Ring und knöpfte dem nigerianischen Weltmeister Samuel Peter im ersten Kampf nach vierjähriger Pause den Titel ab. Unmöglich ist also nichts. Schon gar nicht bei Vitali Klitschko. „Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, zieht er das auch zu einhundert Prozent durch“, betonte sein Trainer Fritz Sdunek.

Der Name Klitschko dominiert aber weiterhin das Schwergewichtsboxen. Der knapp fünf Jahre jüngere Wladimir ist Weltmeister der Verbände WBO, IBF und WBA. Sein Ziel kann nur sein, auch noch den letzten der vier großen Gürtel an sich zu reißen. Im März muss er seinen WBO-Titel verteidigen, anschließend wäre eine Titelvereinigung mit dem dann amtierenden WBC-Champion möglich. „An Wladimir werden wir weiterhin Spaß haben“, versicherte Pütz.

TV-Partner RTL macht sich keine Sorgen

Klitschkos TV-Partner RTL muss kein Loch befürchten. Der Vertrag mit den Brüdern war ohnehin nicht an Namen gebunden. „Es ändert sich überhaupt nichts“, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Nun erfüllt nur noch Wladimir den Kontrakt. Nach Ablauf der ausstehenden drei Kämpfe wird die Zusammenarbeit mit großer Wahrscheinlichkeit verlängert. Einige Jahre will der 37-jährige Wladimir Klitschko noch aktiv sein. Folgt er dann seinem Bruder in die Politik? „Kaum“, sagte BDB-Präsident Pütz. „Die Brüder sind sehr verschieden. Wladimir kann ich mir eher als Schauspieler oder Künstler vorstellen.“ (dpa)