Wer den Aal hat, hat die Qual
Regisseur Harald Sicheritz hat Kurt Palms Provinz-Polit-Krimi-Groteske „Bad Fucking“ mit rot-weiß-roter Starbesetzung fürs Kino adaptiert. Ein Kracher, aber kein Brüller.
Von Christiane Fasching
Innsbruck - „Bad Fucking“ beginnt mit einem Hitchcock-Moment. Kurt Palm, der die Krimi-Groteske 2010 zu Papier und auf die Theaterbühne brachte, steht in der Eröffnungssequenz von Harald Sicheritz‘ Kino-Adaption neben dem heiß begehrten, weil anrüchig erscheinenden Ortsschild - und spricht Bad Fucking absichtlich falsch aus. Aber wenn einer „Bäd Facking“ sagen darf, dann Palm - schließlich ist er der geistige Vater der bizarren Ortschaft, in der die Skurrilität regiert. Und Bürgermeister Aloysius Hintersteiner (Wolfgang Böck). Der habgierige Hotelier hat das Gemeindevermögen verspekuliert und will seinen Schäfchen nun ein Asylantenheim aufs Aug‘ drücken. Da trifft es sich gut, dass er die xenophobe Innenministerin Mitzi Sperr (Adele Neuhauser) besser kennt, die sich als Nebenerwerbs-Bauunternehmerin zusätzlichen Schotter sichert. Klingt abgedreht und leider auch urösterreichisch - vielleicht bleibt einem deshalb an vielen Stellen das Lachen im Hals stecken.
Schenkelklopfer hat Sicheritz also keinen kreiert, dafür aber einen verschwurbelten Ausflug in Weltuntergangs-Gefilde. Über Bad Fucking braut sich nämlich ein höllisches Gewitter zusammen, was den Dorfgendarmen Wallisch (Johannes Silberschneider) frohlocken lässt - seinen Prophezeiungen zufolge bringt die Schlechtwetterfront nämlich einen Schwung Aale mit sich. Und die glitschigen Viecherln könnten das marode Dorf vor dem totalen Untergang bewahren. Doch bevor der Himmel wettert, kracht‘s auf Erden - ein Felssturz versteinert die Zufahrtsstraße zum einstigen Touristen-Magneten und macht Souvenir-Verkäuferin Vroni (Martina Ebm) zur frustrierten Vollwaisin. Vroni ist es auch, die durch die abgedrehte Handlung führt, die immer noch verschrobener wird - und irgendwann auch mit Leichen gepflastert ist. Ein Einsiedler liegt mit zertrümmertem Schädel in seiner Höhle und auch dem russischen Innenminister geht‘s an den Kragen - dass hinter dem Attentat ausgerechnet seine österreichische Amtskollegin stehen soll, ist ganz schön schräg. Und passt deshalb bestens ins Bild der cineastischen Groteske, für die Sicheritz eine rot-weiß-rote Starparade engagieren konnte: Neben Neuhauser, Böck und Silberschneider tauchen auch Michael Ostrowski als koksender Bürgermeister-Spross Killian, Thomas Mraz als sein minderbemittelter Bruder Philipp und Thomas Stipsits als patscherter Polizist Stallinger auf. Mraz und Stipsits zählten auch zum Cast von David Schalkos Erfolgsserie ?Braunschlag“, wo ebenfalls auf schwarzen Humor und skurrile Wendungen gesetzt wurde - nebenbei aber auch aus ganzem Herzen gelacht werden konnte.
Diese leichtfüßige Komponente fehlt „Bad Fucking“ leider. Und dadurch wird‘s schwierig, einen totalen Narren am irren Treiben zu fressen, das übrigens auch mit einem Hitchcock-Moment endet. Regisseur Sicheritz gönnt sich den Spaß eines Kurzauftritts - das ganz große Finale überlässt er aber dann den Aalen. Apokalyptisch.