Streit um Raketenabwehr: Rasmussen kritisiert Russland
Die Nato ist empört: Als Reaktion auf die Raketenabwehr der Allianz in Europa hat Russland die Stationierung von Atomraketen in Kaliningrad ins Spiel gebracht. Einen Beschluss gebe es aber noch nicht, sagt Wladimir Putin.
Brüssel – Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat scharfe Kritik an der russischen Drohung geübt, in Kaliningrad atomwaffenfähige Iskander-Atomraketen als Antwort auf die Nato-Raketenabwehr zu stationieren. „Unser System richtet sich in keiner Weise gegen Russland und deshalb sind Gegenmaßnahmen nicht gerechtfertigt“, sagte Rasmussen am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. „Wir haben keinerlei Absicht, Russland anzugreifen.“
Moskau lehnt die Nato-Pläne für eine Raketenabwehr in Europa ab, weil es darin eine Gefahr für die eigenen strategischen Atomwaffen sieht. Der Kreml hat militärische Gegenmaßnahmen angekündigt. Nach Angaben von Präsident Wladimir Putin ist bisher aber keine Entscheidung über eine Stationierung in Kaliningrad gefallen.
Putin nennt Iskander Raketen die „effektivsten Waffen der Welt“
„Man sollte sich beruhigen“, sagte Putin am Donnerstag bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau. „Wir haben das bisher nicht beschlossen.“ Gleichwohl seien die Waffen eine mögliche Antwort auf die geplante Raketenabwehr der Nato. Iskander-Raketen seien nicht das einzige Mittel für den Schutz Russlands, sie seien aber in ihrer Gattung die „effektivsten Waffen der Welt“.
Putin kritisierte, dass US-Atomwaffen in Europa stationiert seien, ohne dass diese dort von den Europäern kontrolliert würden. Nun wollten die USA mit der Raketenabwehr ein zusätzliches Waffensegment aufstellen. „Wir haben immer wieder gesagt, dass der Abwehrschild für uns eine Bedrohung darstellt, eine Bedrohung für unser Atomwaffenarsenal“, sagte Putin. Darauf müsse Russland reagieren.
Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass Moskau die Iskander-Raketen in der Ostseeregion Kaliningrad um das frühere Königsberg längst aufgestellt habe. Die Bild-Zeitung (Donnerstag) meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Russland habe in den vergangenen zwölf Monaten auf persönlichen Befehl von Putin insgesamt acht Atomraketen vom Typ „Iskander M“ an der Grenze zur EU stationiert. (dpa)