Wacker-Präsident Gunsch: „Wir sind auf dem richtigen Weg“
Wacker-Präsident Josef Gunsch nimmt nach dem letzten Spiel vor der Winterpause zur Kritik der vergangenen Wochen Stellung. An seiner Begeisterung für das Amt ändert das nichts.
In den vergangenen Wochen mussten Sie mit harter Kritik umgehen.
Josef Gunsch: Ich bin der Meinung, dass viel falsch kommuniziert wurde. Gewisse Sachen geschahen in einem anderen Zusammenhang. Und dann werden wir für Themen wie Fußballschuhe geprügelt, die wir den Spielern nicht zahlen. Oder das Trainingslager: Es war von vornherein geplant, dass wir uns darüber bis zum 10. Dezember (Buchungsschluss, Anm.) Gedanken machen würden, um im Anschluss zu entscheiden. Die Kosten belaufen sich nicht wie kolportiert auf 50.000 bis 60.000 Euro, sondern auf 25.000 Euro.
Und dennoch konnte man in den letzten Wochen den Eindruck gewinnen, dass das Handeln des Vereins von Aktionismus geprägt war: Nach dem 0:3 gegen Rapid wird der Co-Trainer zum Sportdirektor ernannt, nach dem 0:3 gegen die Admira der Trainer entlassen.
Gunsch: Nein, das waren keine Kurzschlussreaktionen, sondern fundierte und geplante Entscheidungen.
Kolportiert wird, dass zwischen Ihnen und Kirchler nicht das beste Einvernehmen herrschte.
Gunsch: Noch so eine Sache, die nicht stimmt. Wir hatten ein korrektes Verhältnis, ein kollegiales. Kirchlers Entlassung hatte ausschließlich sportliche Gründe.
Aber man hatte ihm im Vorfeld eine Jobgarantie bis zum Winter ausgesprochen, selbst eine Tätigkeit in der Frühjahrssaison wurde avisiert.
Gunsch: Es war eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hat. Ich bin lange hinter ihm gestanden, länger als es vielleicht andere Präsidenten getan hätten. Die Negativserie war leider da. Ich bin kein Hire-and-fire-Typ. Aber wir haben ein Ziel zu verfolgen, da geht es nicht um persönliche Sachen.
Passierten möglicherweise Fehler in der Kommunikation? Lässt sich Fußball mit einem großen Unternehmen wie dem Ihren überhaupt vergleichen?
Gunsch: Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass wir jemanden brauchen, der Krisen managen kann. Das ist die Anforderung an Führungskräfte. Ich führe ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern, da musste ich genauso manche Krise meistern. Wenn uns beim FC Wacker ein Fehler passiert ist, dann der, dass wir möglicherweise das eine oder andere für uns behalten sollten, bevor es verzerrt in die Öffentlichkeit kommt. Das gilt etwa für mein Treffen mit Pipo Gorosito, das falsch interpretiert wurde.
Glauben Sie, dass Florian Klausner den Verein aus der Krise führen kann?
Gunsch: In Ried hat der Manager (Stefan Reiter, Anm.) auch in jungen Jahren angefangen. Wir wollen in dieser Position mit solider, langfristiger Arbeit Erfolg haben. Klausner ist keine Billiglösung, er ist seit acht Jahren in der Bundesliga und kennt die Leute. Es gab namhafte Bewerber für das Amt des Sportdirektors, aber am Ende hatte Florian Klausner das beste Konzept vorgelegt. Ich brauche keinen Prominenten, der mir erzählt, wie es in der Vergangenheit war, sondern einen Arbeiter. Man kann viel lernen, außerdem binden wir mit dem Legendenklub viel Wissen.
Haben Sie die Aufgabe FC Wacker unterschätzt?
Gunsch: Nein, und wir machen das immer noch mit derselben Begeisterung. Vielleicht war es aus der Historie heraus etwas schwerer, als wir gedacht haben. Aber ich und mein Team sind erst vier Monate im Amt – und wirtschaftlich sind wir auf Kurs.
Dem Vernehmen nach sind die aktuellen Bilanzzahlen zufriedenstellend.
Gunsch: Wir sind im Jahr null und sehen insgesamt eine positive Entwicklung in einem zu reorganisierenden Unternehmen. Die Zahlen sind in Ordnung.
Glauben Sie mit dem FC Wacker an den Klassenerhalt?
Gunsch: Ja. Gegen Salzburg haben ja auch etliche Spieler gefehlt und wir standen ganz gut. Der neue Trainer muss uns sagen, ob er es sich mit diesem Kader vorstellen kann oder uns auch andere kreative Lösungsmöglichkeiten anbieten. Wir können die Liga halten und werden nur einen Trainer präsentieren, mit dem wir uns zu 100 Prozent einig sind. Dass es bis Weihnachten zum Abschluss kommt, glaube ich nicht.
Tendenziell spricht Wackers Lage eher für einen erfahrenen Trainer?
Gunsch: Das kann ich nicht verneinen, sehe ich auch so.
Was dessen Finanzierung anbelangt, wird man sich nach der Decke strecken müssen. Schließlich läuft Roland Kirchlers Vertrag noch bis 30. Juni 2014.
Gunsch: Da muss man kreativ sein. Ich kann mir vorstellen, dass wir im ersten halben Jahr zunächst etwas weniger zahlen, dann mehr. Schließlich ist es kein unattraktiver Job, beim FC Wacker in der ersten österreichischen Liga Trainer zu sein.
Haben Sie einen Wunsch ans Christkind?
Gunsch: Dass es so weitergeht, wie wir uns das vorstellen, wirtschaftlich und sportlich. Allerdings möchte ich noch eines festhalten: Wir sehen unseren klaren Auftrag gesellschaftspolitisch, also auch darin, für den Nachwuchs etwas zu leisten und nicht nur im Profibereich. Das wollen wir auch den Sponsoren vermitteln.
Das Gespräch führten Florian Madl und Alex Gruber