Brutaler Überfall in Rattenberg: Juwelier gefesselt und beraubt
Brutaler Überfall auf einen Schmuckhändler in Rattenberg: Ein maskierter Räuber bedrohte den Goldschmied mit einer Pistole und fesselte ihn mit Kabelbindern.
Von Thomas Hörmann
Rattenberg –Bei der brutalen Vorgangsweise ein Profi, bei der Auswahl der Beute ein Dilettant: Der Räuber, der am Freitagvormittag einen Juwelier im Rattenberger Zentrum überfiel, sorgt für Rätselraten.
Es war gegen neun Uhr, als der Täter das Juweliergeschäft betrat. Mit einer Pistole in der Hand und einem Tuch vor dem Gesicht. Und Kabelbindern, mit denen er die Hände des Juweliers fesselte. „Er hat dem Opfer die Pistole gegen die Brust und dann in den Rücken gedrückt“, schildert Ermittler Edmund Wiesbauer vom Landeskriminalamt: „Als der Juwelier zu Boden ging, legte der Täter die Fesseln an.“
Dann öffnete der Räuber die Schubladen, raffte den Schmuck zusammen, nahm das Bargeld aus der Kasse und flüchtete zu Fuß aus dem Geschäft. Auffallend: Der Täter erbeutete vor allem Schmuckstücke der günstigen bis mittleren Preisklasse, die teuren Stücke blieben zurück.
Der Juwelier versuchte, sich zu befreien, kam dabei aber zu Sturz. Eine Platzwunde am Kopf war die schmerzhafte Folge. Schließlich war es ein Nachbar, der gegen 9.30 Uhr die Notlage erkannte. „Der Mann hat das Opfer im Eingangsbereich des Geschäfts gesehen, bemerkt, dass etwas nicht stimmt und es schließlich mit einer Schere von den Fesseln befreit“, so Wiesbauer weiter. Erst da erfuhr auch die Polizei vom Überfall.
Als die Exekutive die Alarmfahndung einleitete, hatte der Räuber bereits mindestens 20 Minuten Vorsprung. Dazu kam, dass den Fahndern nur eine sehr vage Beschreibung zur Verfügung stand: 1,75 bis 1,80 Meter groß, graugrüne Jacke, dunkle Hose, weiße Mütze. Trotz eines Großaufgebots an Beamten, trotz Hubschrauber-Überwachung konnte der Räuber vorerst entkommen. „Wir kennen auch weder den Fluchtweg noch das Fluchtfahrzeug“, sagt Edmund Wiesbauer.
Später erfuhren die Ermittler, dass der Täter möglicherweise um die 40 Jahre alt ist. „Das wissen wir von einem Zeugen, der vor dem Überfall einen auffallend nervösen Mann im Bereich des Juweliergeschäfts beobachtet hat.“ Vermutlich den Räuber beim Ausspähen des Opfers.
Weiters scheint durchaus wahrscheinlich, dass der Räuber aus Osteuropa stammt: „Der Juwelier bemerkte einen starken osteuropäischen Akzent, er glaubt auch, dass der Akzent echt und nicht vorgetäuscht war“, begründet Wiesbauer.
Das Opfer musste nach der Befreiung im Kufsteiner Krankenhaus behandelt werden. Der Juwelier war aber danach durchaus in der Lage, die Fragen der Polizei im Landeskriminalamt in Innsbruck zu beantworten.
Die Überfälle in Tirol häufen sich derzeit: Anfang Dezember wurde der Filialleiter eines Innsbrucker Supermarktes vor der Haustür entführt, ins Geschäft verschleppt und zum Öffnen des Tresors gezwungen. Kurz darauf schlug eine Innsbrucker Trafikantin einen Räuber mit einem Tixoroller in die Flucht. Und am Dienstag brach ein 46-jähriger Familienvater aus dem Zillertal einen Überfall auf die Ramsauer Volksbank ab. „Typisch Advent“, sagt Wiesbauer: „Das haben wir fast jedes Jahr.“