Unterwegs im Land des Weihrauchs
Von Muscat bis Salalah: Wer den Oman erleben möchte, sollte nicht nur den abwechslungsreichen Norden besuchen, sondern auch den unteren Zipfel der arabischen Halbinsel – „die Karibik des Orients“.
Von Patrizia Pichler
Muscat, Salalah –Überall qualmen die Kristalle in tönernen Gefäßen – am Souk, in Hotels, in Restaurants, am Flughafen in Muscat. Der Weihrauch ist allgegenwärtig im Land des Sultans Qabus ibn Said, seit Juli 1970 alleiniger Herrscher des Oman. Das bei den Omanis überaus beliebte Staatsoberhaupt hat mit Milliarden von Öl-Dollars das Land modernisiert und zu einem lebenswerten Ort gemacht. Wissend, dass die Ölreserven in knapp 15 Jahren aufgebraucht sein werden, setzt der Sultan auf Handel und mehr Tourismus. Und eben Weihrauch ist der Exportschlager und jeder Tourist, der das Land betritt, kann sich dem nicht entziehen.
Am Flughafen in Muscat wartet Fahad Al Riziqi in einer blauen Dishdasha, dem traditionellem Männergewand, auf uns. In den nächsten Tagen wird er uns sein Land mit all seinen Facetten zeigen. Erstes Ziel ist das historische Dorf Nakhi mit einer in den Fels gebauten Festungsanlage. Gut erhalten und mit einem traumhaften Blick auf die Umgebung gibt es Einblick in die Geschichte des Landes. Auf dem Weg dorthin befragen wir Fahad, den wir von Anfang an „Fahdi“ nennen, über das Leben der Omani. So erzählt er ein wenig über sich. Mit seinen Eltern, sechs Brüdern, vier Schwestern und bereits angeheirateten Familienmitgliedern lebt er gemeinsam in einem Haus außerhalb von Muscat. Und das, obwohl jeder männliche Einwohner im Alter von 24 Jahren vom Sultan Land geschenkt bekommt. Dort werde er wohl einmal mit seiner zukünftigen Frau sein eigenes Haus bauen, zwinkert er. Aber wie ist das nun mit den Frauen? Ist das noch immer ein Tauschgeschäft gegen Kamele, wie oft gewitzelt wird? „Das war es mal. Früher galt das Arrangement ‚Land und Kamele‘. Heute lautet das Zauberwort: Cash. Ca. 12.000 Euro sind zu berappen, plus Juwelen und ein Haus. Arbeitet die Frau, dann wird es noch teurer“, erzählt der noch Unverheiratete, während wir über das gut ausgebaute Straßennetz zu unserem nächsten Stopp, den heißen Quellen, rasen. Autofahren ist überhaupt eine Leidenschaft unseres Reiseführers und so landen wir in einem Flussbett, um ein wenig durchs Wasser zu driften. Keine schlechte Idee insofern, als der Sultan keine schmutzigen Autos duldet. „Die Autos müssen immer sauber sein. Wenn nicht, dann gibt es Strafen bis hin zur Abnahme des Autos“, klärt Fahdi auf. Nach diesem Abstecher landen wir endlich bei den heißen Quellen, die einem zehn Millionen Jahre alten Vulkan entspringen. Sie werden damals wie heute von den Einheimischen als Heilstätte aufgesucht.
Am nächsten Tag besuchen wir die Stadt Muscat mit der großen Moschee, dem Muttrah Souk und dem Fischmarkt. Frauen, die die Moschee besuchen wollen, müssen sich verhüllen, ansonsten ist der Oman im Vergleich zu anderen arabischen Staaten ein sehr liberales Land. Frauen, die das Land besuchen, sollten aus Respekt vor der Kultur Schultern und Knie bedecken, in den Hotels wird es aber viel lockerer gehandhabt. Im Gegensatz zu öffentlichen Stränden darf hier auch Bikini getragen werden.
Hotels, vor allem die der luxuriösen Sorte, sprießen momentan allerorts aus dem Wüstensand.
So bekommt man etwa im Sechs-Sterne-Tempel The Chedi Muscat jeglichen Wunsch erfüllt, im nicht minder luxuriösen Hotel Shangri-La Barr Al Jissah Resort & Spa kann man die Seele baumeln lassen (hier gibt es übrigens einen eigenen Schildkröten-Ranger) oder kann im Viereinhalb-Sterne-Millennium Resort Mussanah das sportliche Angebot nutzen.
Der dritte Tag im Norden des Oman versetzt uns in die Vergangenheit zurück. Wir besuchen die Hauptstadt im Inland, Nizwa, im Jebel Akdar spazieren wir durch eine Bananenplantage und genießen die grünen Berge. Ein Tag, der wieder vor Augen führt, wie vielseitig dieses Land ist.
Tag vier bringt nach einem Inlandsflug von Muscat nach Salalah allerlei Überraschendes zutage. Nicht nur, dass man das Gefühl hat, in einer komplett anderen Welt angekommen zu sein, sehen wir uns einem Reiseleiter gegenüber, dessen erste Frage ist: „Kennt ihr die Oprah Winfrey Show? In den kommenden Tagen bekommt ihr die Salim-Show!“
Salim ist, wie auch alle anderen Menschen, die wir in Oman bis zu diesem Zeitpunkt getroffen haben, offen, etwas zurückhaltend und immer freundlich. Und noch etwas ist ihnen gemein: Ihre aufrichtige Verehrung für den Sultan, der ihnen viel Gutes gebracht hat.
„Was haben Weihrauch und der Sultan gemeinsam?“, fragt Reiseführer Salim Suhail Ali Al Kathiri, als er uns die Herkunft des Weihrauchs erklären möchte. Mit der Anwort wartet er nicht lange: „Weihrauch ist das Geschenk Gottes an Jesus, der Sultan ist das Geschenk an sein Land.“ Im Weihrauchmuseum am alten Hafen von Salalah erfahren wir, dass ein Baum etwa zehn Kilo Weihrauch pro Jahr hervorbringt – das weiße Gold, die Tränen Gottes. Anschließend geht es zur Sharafi-Moschee, den Al Husn Palast und zum Haffa Souk. Auf dem Weg zum biblischen „Nabi Ayoub“ in den Bergen treffen wir auf zahlreiche Kamelherden, die mitunter auch die Weiterfahrt erschweren. Mit beneidenswerter Gelassenheit machen sie früher oder später den Weg wieder frei. Alltag für einen Omani, lustig anzusehen für Touristen. Am Strand von Mughsail schließlich haben wir großen Spaß mit den Meerwasserfontänen, die bei stärkerer Brandung aus dem Boden schießen.
Am letzten Tag wollen wir uns keinesfalls das Fischerdorf Taqa mit Schloss und Glockenturm entgehen lassen und auch die Stadt Mirbat, das letzte große Weihrauchzentrum im Oman, ist einen Besuch wert. Am Nachmittag, am Strand vor dem Crowne Plaza Salalah, erlebe ich dann noch mein persönliches orientalisches Märchen. Nicht unweit zieht eine Delphingruppe vorbei – gut sichtbar und einfach wunderschön. Und ich muss immer wieder daran denken, was Salim nicht müde wurde mit einem breiten Grinsen und voller Stolz zu wiederholen. „Wir im Oman haben 3 in 1.“ Was er damit meinte: Berge, Meer und Wüste sind innerhalb von 30 Minuten zu erreichen. Wer keine Scheu hat, in die Kultur dieses Landes einzutauchen und die Nähe der Menschen zu suchen, wird Wunderbares erleben.