Mit 43 km/h und beheizten Gondelsitzen auf den Berg
Erster Betriebstag der Piz-Val-Gronda-Bahn, Ischgl kämpfte Jahrzehnte.
Von Helmut Wenzel
Ischgl –Auf diesen Tag haben die Skimetropole Ischgl und die Silvretta Seilbahn AG (SSAG) Jahrzehnte gewartet: Nach den technischen Überprüfungen der obersten Seilbahnbehörde in Wien hat sich eine Riesengondel gestern Freitag erstmals offiziell auf den Piz Val Gronda (2811 Meter) bewegt. Nur zwei Stützen, eine 90 und die andere 64 Meter hoch, tragen das tonnenschwere Seil und die 150 Personen fassende Gondel. In nur fünfeinhalb Minuten Fahrt ist die Bergstation erreicht, die Gondel ist mit bis zu 43 km/h auf der zweieinhalb Kilometer langen Strecke unterwegs. „Wir hatten viele technisch interessierte Besucher und einige mutige Freerider“, schilderte TVB-Sprecherin Daniela Sauer, „die Piste konnte leider noch nicht präpariert werden. Beschneiungsanlagen durften ja nicht erreichtet werden.“
Bereits in den 60er-Jahren hatte Seilbahnpionier Erwin Aloys den Piz Val Gronda bei der Behörde als Skigebietsfläche angemeldet. Damit hatte er eine Allianz an Gegnern auf den Plan gerufen – Natur- und Umweltschützer, Alpenvereine, fallweise auch den DAV sowie Tirols Grüne. Im Oktober 2002 hat Hannes Gschwentner, damals Umweltreferent der Landesregierung, ein „umfassendes touristisches Entwicklungskonzept“ verlangt, von dem das Paznaun und Landeck profitieren sollten. Nur dann werde der Liftbau genehmigt.
Herausgekommen ist eine 123-seitige Studie mit Zahlen und Fakten zu Nächtigungen, Abfallentsorgung und Verkehrskonzept, aber keine Baugenehmigung. 2009 soll ein Steinhuhn im Fimbatal entdeckt worden sein. Wieder ein Hindernis für den Bau der Bahn. 2010 gelangten Pachers Löwenzahn und Mähnen-Pippau als seltene Pflanzen zu Berühmtheit. Im September 2012 erklärte Gschwentner die Bahn für genehmigungsfähig und verordnete zahlreichen Ausgleichsmaßnahmen für die Natur.