„Botschafter“ lebt regionale Esskultur vor

Vordenker Seppl Haueis wurde mit dem Orpheus-Preis ausgezeichnet. Er reduziert Küche auf wenige regionale und saisonale Gerichte.

© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Landeck, Zams –„Mach’ uns bitte was Regionales. Es darf ruhig etwas mehr kosten.“ Gäste mit derartigen Wünschen sind dem x-fach ausgezeichneten Zammer Wirt, Vordenker und „Wasserpapst“ Seppl Haueis am liebsten. Die Gäste bereuen es nicht. „Ihr“ Seppl zaubert Kreationen vom Tiroler Berglamm, vom Hirsch aus dem Radurschl oder vom Zammer Kalbl auf den Teller. Im Vordergrund steht immer die regionale Note – garniert mit Schätzen aus der Natur wie Rosmarin, wildem Thymian oder Minze. Nach wie vor sind die Tische in der Zammer „Gemse“ mit einem Krug Trinkwasser gedeckt, als Botschaft, „Wertschätzung für unser wichtigstes Lebensmittel zu wecken“, verrät der Vordenker.

Vom „globalen Zwang der gehobenen Gastronomie“, immer alles ganzjährig anzubieten – von Himbeeren bis Shrimps –, hat er sich längst verabschiedet. „Da mache ich nicht mit. Lebensqualität ist etwas anderes, als diesen Trends nachzulaufen“, erklärte er am Montagabend beim „Gespräch im Treppenhaus“ in Landecks Clemens-Holzmeister-Schule, an der er selbst die Schulbank gedrückt hat. Auch Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen der Region sind Kernthemen im Dialog mit Haueis.

Haueis ist überzeugt, dass sich die Gastronomie im Tourismusbezirk Landeck in den nächsten 10 bis 15 Jahren verändern wird. „Immer alles à la carte anzubieten, wird nicht mehr möglich sein. Auf der Speisekarte werden fünf bis sechs saisonale bzw. regionale Gerichte im Vordergrund stehen.“ Unabhängig davon werde es Pizza oder Kebab trotzdem immer geben.

Von Ehrungen und Auszeichnungen hält der „Botschafter der regionalen Esskultur“ nicht allzu viel. Über den Orpheus-Preis, den er vorige Woche aus den Händen von Professor Engelbert Gitterle übernehmen durfte, hat er sich allerdings riesig gefreut. Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten vergeben, die durch ihr Wirken einen guten Klang in die menschliche Gemeinschaft bringen. „Du versprühst visionäre Kraft und leistest einen großen Beitrag zur Harmonie in der Gesellschaft“, sagte Gitterle. „Du bist unser Anwalt für Natur und gesunden Lebensraum.“

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