Männer verlangen nicht mehr nach „Rundum-Superfrau“

Moderne Paarbeziehungen zu leben ist anstrengend: Vor allem die Männer sind in ihren Ansprüchen an den Lebenspartner bescheidener geworden, sagt eine neue GfK-Studie. Sie verlangen nicht mehr so sehr nach der „Rundum-Superfrau“ wie noch vor zehn Jahren. Frauen wünschen sich vor allem emotional kompetentere Gegenüber. Mehr Ausgeglichenheit haben alle auf der Agenda, und am wichtigsten ist Treue.

Wien – Im Männer-Wunschbild der Frauen steht Treue mit Beziehungsfähigkeit an der Spitze (je 78 Prozent), berichtete Angelika Kofler, Leiterin der GfK-Austria Sozialforschung, am Dienstag in Wien. Das Bankkonto ist nicht wichtig (wohlhabend kam nur auf zwölf Prozent). Die Männer selbst finden auch, dass sie vor allem treu sein sollten. Weiters rangieren im männlichen idealen Selbstbild die Eigenschaften gepflegt, intelligent, beziehungsfähig und selbstsicher (je 64 Prozent) ganz oben. Beide Geschlechter haben im Vergleich zu ihren Wunschbildern vor zehn Jahren wieder vermehrt „Stärke“ im Kopf: 41 Prozent der Männer (plus sieben Prozentpunkte) und 52 Prozent der Frauen (plus 18) finden, Männer sollten stark sein.

Auch das Profil der idealen Frau aus Männersicht rückt traditionell Weibliches in den Mittelpunkt: Treu soll sie sein (74 Prozent), gepflegt und fröhlich (je 70 Prozent), beziehungsfähig (65 Prozent), verständnisvoll (64 Prozent) und zärtlich sowie intelligent (je 61 Prozent). Selbstsicherheit ist 47 Prozent der Männer wichtig, diese sehen 63 Prozent der Frauen aber als wichtigen weiblichen Charakterzug. Stark wollen 33 Prozent der Frauen sein, die Männer legen nur zu 18 Prozent Wert darauf.

Pendel schwingt in Richtung traditioneller Rollenbilder

Der Pastoraltheologe, Männer- und Werteforscher Paul M. Zulehner sieht eine Reorientierung der Geschlechterrollen im Gang, bei einem Teil der Männer sogar eine Re-Traditionalisierung. Die Zahl der „modern“ eingestellten Männer wie Frauen sei binnen zehn Jahren deutlich gesunken. Diese Entwicklung gründe in der Belastung durch die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bedeute aber nicht automatisch den Rückschritt in die gesellschaftspolitische Steinzeit: „Sehr viele werden pragmatisch, weil sie mit den vorfindbaren Bildern nicht zufrieden sind“, sagte Zulehner.

„Modern“ heiße heute, dass Frau und Mann selbst bestimmen und untereinander aushandeln wollen, wie sie Beruf und Familie vereinbaren. „Rollenswitching“ sei angesagt. 53 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen beurteilten die neuen Geschlechterrollen als anstrengender als die traditionellen. Viele empfinden es als Entlastung, wenn ein Elternteil daheimbleiben kann. „Stress rausnehmen aus der ‚Rushhour‘ des Lebens, wenn die Kinder noch klein sind“, nennt Zulehner das, was 43 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen allerdings als finanziell nicht leistbar bezeichnen. „Die Politik gerät vor das schier unlösbare Dilemma, Wählbarkeit finanzieren zu müssen“, meinte der Forscher, Stichwort Elterngeld und flexible Arbeitszeit auch für Männer. „Da fordert man die sozialstaatlichen Leistungen stark heraus.“

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Die Rollenbilder zeugten von einer Desillusionierung und einem Pendelschwung in die traditionelle Richtung, bilanzierte Kofler. Beide Geschlechter seien realistischer geworden. Männer stellten aber immer noch weniger Ansprüche an sich selbst und sträubten sich gegen emotionale Anforderungen: Bei den Kompetenzen beziehungsfähig und verständnisvoll (je 25 Prozentpunkte unter dem Wunschprofil), einfühlsam (minus 30 Prozentpunkte) sowie ausgeglichen sein (minus 31) hapert es aus der Sicht der Frauen doch stark. Vergleichen Männer die eigene Partnerin mit ihrem Idealbild, finden sie sie weniger oft fröhlich und ausgeglichen (minus 22 bzw. 20 Prozentpunkte) - und öfter berufstätig (plus 22 Prozentpunkte) als „ideal“. (APA)


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