Manager der Telekom belastet

Beim Verkauf des Objekts Schillerplatz durch die Telekom sei einiges „ungewöhnlich“ gelaufen, sagte eine Zeugin aus.

Wien –Zum Auftakt der zweiten Woche im Telekom-Prozess um den Verkauf der Schiller­platz-Immobilie ist mit der Befragung der Zeugen begonnen worden. Gleich ein­e der ersten Auskunftspersonen belastete Ex-Telekom-General Heinz Sundt schwer. Eine ehemalige Juristin der Telekom sagte aus, dass Sundt den Verkaufspreis fix vorgegeben und der ebenfalls angeklagte Architekt mehrfach minderwertige Verkehrswertgutachten erstellt hatte.

Sundt und der Ex-ÖBB-Chef Martin Huber müssen sich dem Vorwurf der Untreue stellen. Ihnen wird vorgeworfen, durch den zu günstigen Verkauf bzw. Kauf der Nobel­immobilie die Telekom um über 4 Mio. Euro geschädigt zu haben. Alle sieben Angeklagten haben sich nicht schuldig bekannt.

Dass der Ex-Telekom-General den Preis der luxuriösen Immobilie vorgegeben habe, sei ihre Erkenntnis aus einem Gespräch mit der angeklagten Telekom-Immomanagerin Birgit Wagner, sagte die Zeugin weiter. Diese habe ungewöhnlich emotional gemeint, dass Sundt den Preis vorgegeben habe. Ihr Vorschlag an Wagner nachzuverhandeln, sei von dieser mit der Antwort quittiert worden, dass hier nicht nachverhandelt werden dürfe. Auf Nachfrage von Richterin Claudia Moravec-Loidolt sagte die Juristin, dass der Name von Sundt in diesem Gespräch mit Wagner mehrmals gefallen sei. Außer­dem soll sich laut der ehemaligen Telekom-Juristin der normalerweise für die Vertragsunterzeichnungen verantwortliche Prokurist geweigert haben, den Kaufvertrag zu unterschreiben. Er habe gemeint, diesen „Blödsinn“ solle Sundt gefälligst selbst unterschreiben.

Zu den Verkehrswertgutachten des angeklagten Architekten meinte die Juristin, dessen Gutachten seien oft mangelhaft gewesen. So seie­n Wertminderungen durch den Denkmalschutz festgestellt worden, obwohl gar kein Denkmalschutz vorgelegen sei. Die Frage, warum die Telekom beim Verkauf des Schillerplatz-Objektes an den damaligen ÖBB-Chef Martin Huber und dessen Ehefrau kein Verkehrswertgutachten einholte, konnte die Juristin nicht beantworten. Und sie bestätigte, dass bei Groß­projekten vergleichbar mit dem Schillerplatz im Regelfall ein Gutachten eingeholt worden ist. (APA)

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Schlagworte