Nie beschäftigt, aber Firma auf Lohn geklagt

Von Reinhard Fellner...

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –„So etwas Vermessenes ist mir ja bei Gericht noch kaum einmal untergekommen!“, tadelte gestern am Landesgericht ein Strafrichter drei Angeklagte. Diese mussten wegen falscher Beweisaussage und schweren Prozessbetruges die Anklagebank drücken.

Ihre Geschichte klingt fast unglaublich. Hatte der Dritt­angeklagte – ein 31-jähriger Innsbrucker – ein Fastfoodrestaurant doch beim Arbeits- und Sozialgericht ganz offiziell auf ausstehenden Lohn von 2167 Euro geklagt, obwohl er dort keine Sekunde beschäftigt war.

Vor Arbeitsrichter Johannes Gasser hatten jedoch zwei Angestellte 2012 gegenteilig bestätigt, dass der Innsbrucker im Restaurant über Monate brav als Koch gearbeitet hatte. Bei den Angestellten handelt es sich um die Erst- und Zweitangeklagte.

Die Version des Trios vor dem Arbeitsgericht war zunächst gut durchdacht und raffiniert. Hatten sie dem Arbeitgeber doch unterstellt, dass er Schwarzarbeiter anstellen würde. Als solcher hätte der Innsbrucker Fleischlaiberl angefertigt. Am Dienstplan seien er und andere aber eben nicht namentlich, sondern als „XY“ vermerkt gewesen.

TT-ePaper gratis lesen und iPhone 11 Pro gewinnen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

Jetzt mitmachen
TT ePaperTT ePaper

Solche Dienstpläne wurden Richter Gasser dann im Arbeitsrechtsverfahren zum Beweis auch vorgelegt – freilich aufwändig gefälscht, indem jeder behauptete Tag mit einem anderen Kuli ausgefüllt worden war, um nur ja die Echtheit des Dokuments zu beweisen. Auch von Dienstkleidung wurde gesprochen.

Schönheitsfehler: Auch alle übrigen Mitarbeiter erkannten als Zeugen den Angeklagten – jedoch als Fastfoodrestaurant-Gast und Bekannten der Frauen. Vor der ganzen Causa war die Erstangeklagte übrigens vom Lokalbetreiber bereits gekündigt worden, nachdem ihr Mann Gäste mit Essen beworfen und sie ihm nicht Einhalt geboten hatte. Auch hierzu behauptete die Erstangeklagte, dass die Kündigung allein wegen ihrer Schwangerschaft erfolgt sei. Mit den Worten „dreist und verwerflich“ erhielten aber alle die höchstmögliche Geldstrafe von je 1440 Euro – und zwar unbedingt.


Schlagworte