Fall Lucile: Motiv bereitet Ermittlern Kopfzerbrechen

Der Mord an einer französischen Studentin in Kufstein wirft zahlreiche Fragen auf. Die Polizei überprüft derzeit Hinweise aus der Bevölkerung. Weiterhin offen ist das Motiv.

Polizisten beim Tauch- und Sucheinsatz am Kufsteiner Innufer. Die Mordwaffe blieb allerdings verschollen.
© zoom-tirol

Kufstein, Innsbruck – Im Fall der in Kufstein getöteten 20-jährigen Studentin aus Frankreich gibt es vorerst weiter keine heiße Spur. „Es sind Hinweise eingegangen, die von uns überprüft werden“, erklärte der Leiter des Landeskriminalamtes Walter Pupp. Taucher der Spezialeinheit Cobra suchten unter Wasser, Dutzende Polizeischüler drehten im Uferbereich der Kufsteiner Innpromenade jeden Stein um. Ohne Ergebnis.

„Es sind inzwischen auch einige Hinweise eingegangen, die derzeit überprüft werden“, sagte Pupp. Ein entscheidender Tipp schien vorerst aber nicht dabei zu sein. „Aber das liegt wohl auch daran, dass zu der wahrscheinlichen Tatzeit nicht mehr allzu viele Leute unterwegs gewesen sind“, so der Chefermittler. Bei der Rekonstruktion der letzten Stunden der jungen Frau hätten sich keine Widersprüche und nichts Auffälliges ergeben, so Pupp: „Da war nichts Tat-Relevantes dabei“.

Wer tötet wegen einer Tasche?

Das Motiv ist nach wie vor offen. „Wir haben keine Hinweise auf eine Beziehungstat oder ein Sexualdelikt“, wiederholt Pupp: „Was wir wissen, ist, dass seit der Gewalttat das Handy und die Handtasche des Opfers verschwunden sind.“ Ein Raubmord also. Dennoch bestehen Zweifel – wer schlägt schon wegen einer Tasche und eines Smartphones einen Schädel ein?

Und die Gewalt, die der Täter anwandte, war tatsächlich massiv: Schon der erste Schlag mit einem unbekannten, aber jedenfalls harten und stumpfen Gegenstand zertrümmerte gleich mehrere Kopf- und Gesichtsknochen.

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Aber auch das Umfeld der Studentin und des Tatortes standen am Dienstag im Fokus der Kriminalisten. Die Beamten befragten sowohl Studienkollegen als auch Anrainer. Die Wohnsiedlungen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tatort an der Inn­promenade wurden dabei ebenfalls in die Ermittlungen miteinbezogen.

„Lucile war ein freundliches Mädchen“

Mordopfer Lucile K. aus dem Raum Lyon war eine von etwa 1000 Studenten der Kufsteiner Fachhochschule. Ein freundliches Mädchen, „ich kann mir nicht vorstellen, dass Lucile in privaten Schwierigkeiten steckte, die letztendlich sogar zu ihrem Tod führten“, sagt ein Studienkollege. Zahlreiche Studenten bekundeten ihr Beileid und trugen sich im Kondolenzbuch in der Fachhochschule ein.

Die Leiche der Französin war am Sonntag von Polizisten am Ufer des Inns entdeckt worden. Untersuchungen hätten ergeben, dass der Tatort „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ mit dem Fundort übereinstimme beziehungsweise in unmittelbarer Nähe liege. Freunde und Studienkollegen hatten die junge Frau zuvor als vermisst gemeldet.


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