Sevilla-Prozess: Beide Frauen verzichteten auf Ansprüche

Beide Frauen, die die Oberländer der Vergewaltigung bezichtigt hatten, verzichteten auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche. Ein Urteil ergeht nun innerhalb von drei bis fünf Monaten.

Von Reinhard Fellner

Sevilla, Innsbruck – Im spanischen Sevilla begann am Dienstag der Prozess gegen zwei Männer aus dem Bezirk Landeck (28, 29) wegen sexuellen Missbrauchs. Die Oberländer waren 2010 während ihres Urlaubs in Untersuchungshaft gewandert, nachdem sie eine Spanierin ursprünglich der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Die Tiroler hatten die junge Frau und ihre mexikanische Freundin zuvor in einem Lokal kennen gelernt und mit ihnen reichlich Alkohol konsumiert. In deren Wohnung kam es dann zu Intimitäten. K.-o.-Tropfen sollten dafür verantwortlich gewesen sein. Es war wohl doch der Alkohol, denn die Verabreichung von K.-o.-Tropfen war medizinisch nicht nachweisbar.

Beim Prozessauftakt kam es für die Oberländer gleich noch besser. Anwalt Martin Leys (er hatte 1997 schon im türkischen Bodrum erfolgreich mordverdächtige Tiroler vertreten) zur Tiroler Tageszeitung: „Die Mexikanerin hat dem Gericht mitgeteilt, dass sie die Sache nicht mehr interessiert und auch ihre zivilrechtlichen Forderungen zurückziehen wird. Zudem bestätigte jener Taxifahrer, der die vier einst zur Wohnung gefahren hatte, dass die Spanierin zu ihm gesagt hätte, dass sie mit den Männern nun Sex haben wolle!“ Leys: „Wir haben immer betont, dass die Tiroler Liebes­angeboten gefolgt sind!“

Nachdem beide Oberländer heute Donnerstag vor Gericht noch einmal beteuert hatten, dass die ganze Angelegenheit eine rein freiwillige Sache gewesen sei, wurden laut Verteidiger Leys noch drei Polizisten und ein medizinischer Sachverständiger zum Vorwurf einvernommen. Für Erleichterung bei den Oberländern dürfte darauf wohl gesorgt haben, dass die Spanierin ebenso wie schon ihre mexikanische Freundin alle zivilrechtlichen Ansprüche gegen die Tiroler wieder zurückgezogen hat.

Zum Prozessabschluss verwies der spanische Anläger deshalb nur noch einmal auf seinen Anklagetenor und forderte kein explizites Strafausmaß. Im Gegensatz zu Österreich oder Deutschland ergeht das Urteil nun in einem Zeitrahmen von drei bis fünf Monaten schriftlich. Anwalt Leys bestätigte gegenüber der TT, dass seine beiden Mandanten noch heute wieder nach Tirol zurückfliegen werden.

Hinter den Tiroler Urlaubern liegt schon jetzt ein Martyrium: Nach der U-Haft mussten sie bis zum Prozess jeden Monat erst in Wien und später in München bei der spanischen Botschaft persönlich erscheinen.


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