Die Qual der Schulwahl: Es muss nicht das Gym sein

Wohin wechseln nach der Volksschule oder Unterstufe? Schüler und Eltern stehen vor dieser Frage. Eine Schulpsychologin gibt Tipps.

Innsbruck –Vor einer wichtigen Entscheidung stehen derzeit Schülerinnen und Schüler (plus deren Eltern) der 4. und 8. Schulstufen. Es geht um die Frage, in welcher Schule die Bildungslaufbahn fortgesetzt werden soll. Die schulpsychologische Beratung des Landesschulrates ist dabei behilflich. Schulpsychologin Brigitte Riemer hat für die TT zentrale Fragen rund um die Schulwahl beantwortet.

1Muss es nach der Volksschule unbedingt das Gymnasium sein?

Hierzu sagt Riemer ganz klar „nein“. Die Neuen Mittelschulen (NMS) würden vor allem auf dem Land auch von den Eltern zunehmend als Alternative zur Unterstufe des Gymnasiums angesehen. „Der Druck, dass Volksschulabgänger unbedingt ins Gym müssen, ist geringer geworden“, sagt die Fachfrau.

2Wovon hängt die Auswahl der Schule ab?

Je höher der Bildungsgrad der Eltern, desto wahrscheinlicher ist es, dass ihre Kinder ein Gymnasium besuchen. Riemer ist es jedoch wichtig zu betonen, dass beide Schulformen, Gymnasium und NMS, den Kindern alle Chancen für ihre weitere Ausbildung offen lassen.

Für abgehende Volksschüler sei die Frage „NMS oder Gymnasium“ eigentlich gar nicht so wichtig, meint Riemer. Viel wesentlicher sei es, nach der Unterstufe richtig zu entscheiden. Also etwa, ob ein Schüler in eine HAK, eine HTL oder in ein Oberstufengymnasium wechseln soll.

3Wie können Schulpsychologen helfen?

Wichtig sei es, die Talente der Kinder zu erkennen, also etwa auf sprachlichem, mathematischem, sportlichem oder musikalischem Gebiet. Denn viele Schulen bieten Schwerpunkte für genau solche Begabungen. So könne für ein sprachlich besonders talentiertes Kind eine Schule in Frage kommen, an der zweisprachiger Unterricht angeboten wird.

4Viele Kinder wollen nach der Volksschule in jene Schule wechseln, in die auch die Freunde gehen.

Riemer: „Die Schulwahl der Freunde sollte für die eigene Entscheidung nicht ausschlaggebend sein.“ Viel wichtiger seien Begabung, Lernwille und Motivation eines Kindes. Neue Freunde würden sich nach dem Schulwechsel wieder rasch finden lassen. Kinder seien unkompliziert und offen.

5Was ist zu tun, wenn Kinder oder Jugendliche eine Schule besuchen, die ihnen doch nicht liegt?

Psychologin Riemer sieht hier die Eltern gefordert. Diese müssten Alarmsignale, wie nachlassendes Interesse und dramatisch schlechtere Noten, erkennen. Das Bildungsangebot sei vielfältig. Ein Schulwechsel oder eine andere Form der Ausbildung sei fast immer gut möglich. Wichtig sei es, dass die Eltern rasch Kontakt mit der Schule aufnehmen. Schulpsychologen würden ihnen auch hier helfend zur Seite stehen.

6Gibt es einen Tipp speziell für die Eltern?

Brigitte Riemer muss hier gar nicht lange nachdenken: „Eltern sollten die Zuneigung zu ihren Kindern nie von deren Schulnoten abhängig machen.“ (mark)


Kommentieren


Schlagworte