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Gewalt bei Amtseinführung von Übergangspräsidentin in Bangui

Eigentlich sollte die neue Übergangspräsidentin im Amt den Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik etwas abkühlen. Doch auch bei ihrer Amtseinführung geht die Gewalt weiter. Nun sollen Soldaten der EU das Chaos im Land bekämpfen.

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Bangui – Am Tag der Amtseinführung der Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza ist es in der Zentralafrikanischen Republik zu Ausschreitungen gekommen. In der Hauptstadt Bangui plünderten Hunderte Christen Läden und steckten Häuser von Muslimen in Brand. Die Präsidentin legte am Donnerstagnachmittag ihren Amtseid ab. An der Zeremonie nahmen auch der Staatschef Gabuns, Ali Bongo Ondimba, und Frankreichs Außenminister Laurent Fabius teil.

Mit der Wahl der von beiden Konfliktparteien geachteten Christin Samba-Panza am Montag hätte der Friedensprozess belebt werden sollen, doch die Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen dauert an. Am Mittwoch mussten Friedenstruppen aus Ruanda und französische Soldaten etwa 30 Muslime vor Christen beschützen, berichteten Augenzeugen. In den vergangenen Tagen wurden mindestens elf Menschen in Bangui getötet. Das sagte ein Mitglied der Friedenstruppen der Nachrichtenagentur dpa.

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Land versinkt seit Putsch im Chaos

Die ehemalige Bürgermeisterin der Hauptstadt Bangui setzte sich in einer Stichwahl gegen den Sohn eines früheren Präsidenten, Désiré Kolingba, durch. In dem Krisenland herrschte ein Machtvakuum, nachdem Interimspräsident Michel Djotodia und sein Ministerpräsident Nicolas Tiangaye am 10. Januar auf internationalen Druck zurückgetreten waren. Seit einem Putsch im März 2013 versinkt das Land im Chaos.

Etwa 2,2 Millionen Zentralafrikaner benötigen nach UN-Angaben Hilfe. Das ist knapp die Hälfte der Bevölkerung. Die Brutalität gegen Kinder sei beispiellos. Jugendliche würden verstümmelt und enthauptet, sagte die UN-Sondergesandte für Kinder in Konfliktgebieten, Leila Zerrougui, am Mittwoch (Ortszeit) vor dem UN-Sicherheitsrat. Etwa 6000 Kinder gehörten bewaffneten Gruppen an.

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Rund 1600 französische und 4000 afrikanische Truppen versuchen, die Kämpfe der Milizen zu beenden. Die EU will den Einsatz militärisch unterstützen. Dabei wird Deutschland aber keine Kampftruppen stellen. Das sei „die gemeinsame Überzeugung der Bundesregierung“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag bei der Kabinettsklausur in Meseberg. Derzeit würden verschiedene europäische Länder nach ihren „technischen Fähigkeiten“ gefragt. Für Deutschland gelte: „Zentralafrika ist ein Land, in dem wir wenig Erfahrungen haben.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zeigte sich erschüttert darüber, „dass der Konflikt Christen und Muslime gegeneinander aufbringt und das traditionell friedliche Zusammenleben der Religionen in diesem Land gefährdet“. Vor Bischöfen aus Afrika in Bonn mahnte Zollitsch „entschiedenes Handeln“ an. Am 1. Februar soll eine Geberkonferenz in Addis Abeba stattfinden. (dpa)


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