Entscheidungsjahr für Liftverbindung
Seit heute liegt der geplante Skigebietszusammenschluss St. Anton-Kappl zur öffentlichen Einsicht auf. Die Verbindung über das Malfontal kostet 45 Mio. Euro. Der Landesumweltanwalt sieht das Projekt kritisch.
Von Matthias Reichle
St. Anton, Kappl – 4,1 Kilometer liegen zwischen den Skigebieten Rendl (St. Anton) und Dias-Alpe (Kappl) – das eine ist Teil der großen Skidestination Arlberg, der Wiege des alpinen Skilaufs, das andere befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Partymetropole Ischgl. Die Idee einer Hochzeit zwischen den beiden ist alt – heute wird das Projekt erstmals zur öffentlichen Einsicht aufgelegt. Es ist der Startschuss des Umweltverträglichkeitsverfahrens, das im heurigen Jahr über die Zukunft der Liftverbindung entscheiden wird.
Die Unterlagen, die dazu beim Land eingereicht wurden, wiegen allein 380 Kilo, gibt Mario Stedile-Foradori eine Vorstellung von dem, was jetzt auf die Behörde zurollt. Über dreieinhalb Jahre hat das Team rund um den Vorstand der Arlberger Bergbahnen benötigt, um die geforderten Gutachten zu vervollständigen – zu Jahreswechsel war’s dann geschafft.
„Der Rendl ist für anspruchsvolle Skifahrer zu klein. Er ist unterfrequentiert und auch unterbewertet“, erläutert Stedile-Foradori die Idee hinter dem Projekt. „Durch die Skiverbindung wird er zu einem vollwertigen Skigebiet. Für Kappl wiederum ist sie die große Chance“, betont er den Nutzen für beide. Für die kleine Paznauner Destination mit 4500 Gästebetten sei der Zusammenschluss eine „Lebensader“. Als „überlebenswichtig“ bezeichnet ihn auch der Geschäftsführer der Kappler Bergbahnen, Andreas Kleinheinz. „Kleine Skigebiete haben es in Zukunft immer schwerer. Für den Tourismus im Dorf ist es unbedingt wichtig.“
Zwei Liftanlagen sind nötig: Die erste, eine Einseilumlaufbahn, verbindet laut Planungsunterlagen den höchsten Punkt des Skigebiets Kappl, den Ablittkopf, in zwei Sektionen mit der Rossfallscharte (2730 m) an der Gemeindegrenze zu St. Anton. Der Lift durchquert dabei das Malfontal, ein Hochtal über Pettneu, das zwischen den beiden Stationen liegt.
Im Malfon sollen zwar keine Pisten errichtet werden, es dürfte aber zahlreiche Variantenfahrer anlocken, erklärt Stedile-Foradori. Diese können künftig bei einer Mittelstation, die die beiden Sektionen verbindet, zusteigen.
Die zweite Bahn, eine kuppelbare 6er-Sesselbahn, verläuft von der Rossfallscharte hinunter zur Rossfallalpe (1860 m). Parallel zur Aufstiegshilfe soll auch die größte der drei geplanten Pisten entstehen. Die beiden anderen verbinden diese Abfahrt wiederum mit dem Skigebiet am Rendl. Rund 45 Mio. Euro wird das alles kosten, rechnet Stedile-Foradori vor. Zum Projekt gehören umfangreiche Schutzbauten vor Lawinen und Steinschlag sowie eine Beschneiung. Die Kosten werden zu zwei Drittel von den St. Antonern, zu einem Drittel von den Kapplern getragen. Sobald man grünes Licht hat, werde man beginnen, der Bergbahnen-Vorstand rechnet mit einem Jahr Bauzeit.
Bevor es so weit ist, muss aber erst das UVP-Verfahren durchlaufen werden. Und hier kündigt sich Widerstand an.
So wünscht sich der Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer einen Baustopp für Pisten, Lifte und Speicherseen über 2500 Metern – und nannte hier speziell Kappl-St. Anton – die TT berichtete. Vor allem die Erschließung des Malfontals bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Wer das kennt, weiß, es ist ein sensibler Raum. Wir stehen dem Projekt kritisch gegenüber.“
Auch in Pettneu gab es Widerstände, als die Arlberg-Bergbahnen vor über vier Jahren mit der Agrargemeinschaft über Grundinanspruchnahmen verhandelten.