Mehr als nur Tochter eines Künstlers

Der jüngste Spross des Osttiroler Malers Albin Egger-Lienz, Ila, war Autorin und ein unangepasster Freigeist. Am Freitag wird der bewegte Lebenslauf dieser zierlichen wie starken Frau in Wort und Bild beleuchtet.

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Heidi Fast und Martin Kofler (mit einem Foto der jungen Ila) geben Einblick in ein bewegtes Leben.
© Funder

Von Claudia Funder

Lienz –Der Osttiroler Künstler Albin Egger-Lienz (1868–1926) ist einer der bedeutendsten Maler der Moderne, die Tirol hervorbrachte. Anlässlich des Kriegsbeginn-Gedenkjahres 2014 sind ab 15. Juni fünf der sechs Fassungen seines berühmten Werkes „Totentanz“ auf Schloss Bruck zu sehen, die TT berichtete.

Eine, die sich zeitlebens um die Würdigung des Ouevres von Egger-Lienz bemüht hat, war seine Tochter Ila (1912–2003). Schon früh wehrte sie sich gegen die Reduzierung ihres Vaters auf einen „Bauernmaler“ – ein Standpunkt, der erst verhältnismäßig spät überwunden wurde.

Das bunte Leben der Ila Egger-Lienz steht nun im Fokus einer Veranstaltung, die im Zuge der Serie „Literatur in Wort und Bild“ am 7. Februar um 20 Uhr in der Stadtbücherei Lienz stattfindet. Der informative und unterhaltsame Abend erfolgt in enger Kooperation von Stadtbücherei und Tiroler Photoarchiv (TAP).

Ila war das jüngste von drei Kindern des Malers und seine letzte Nachfahrin. „Sie stand in einem besonders innigen Verhältnis mit ihrem Vater“, betont Heidi Fast, Leiterin der Stadtkultur Lienz, die sie noch persönlich kennen lernte.

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Das „Nesthäkchen“ Ila saß Albin Egger-Lienz auch selbst wiederholt Modell, was dem Kind einiges an Geduld abverlangte, „für die mich dann mein Vater stets freigiebig mit kleinen Geschenken entschädigte“, erinnert sich Ila später im Geleitwort eines Kunstkataloges. Sie sei oft Zeuge seiner Arbeit im Atelier gewesen, bei der er ihr „nie das Gefühl gab, ihn in seiner Konzentration zu stören. Er war ein nie ärgerlicher, nachsichtiger, gütiger Vater“, so ihr Rückblick.

Als Albin Egger-Lienz starb, war seine Jüngste erst 13 Jahre alt. „In den 1930er-Jahren ändert sich Ilas Frisur, sie wird flippig. Es beginnt eine Phase der Suche“, weiß Martin Kofler, Leiter des TAP. „Ihre Geschwister Lorli und Fred sowie ihre Mutter Laura bleiben hingegen weiterhin sehr blass und wirken auch auf den Fotos deutlich weniger.“

Ila entwickelt sich zu einer freidenkenden, kritischen und gesellschaftlich unangepassten Frau – und das im kleinstädtischen Raum. Sie studiert Englisch, lernt Ausdruckstanz und gibt ihre Kenntnisse weiter, erzählen Fast und Kofler. Um das Werk ihres geliebten Vaters am Leben und im Gespräch zu halten, schreibt Ila eine Biografie über den Künstler, die 1939 publiziert wird. „Sie hat vieles durch die Tochter-Brille gesehen, aber auch anderes zugelassen und sehr geschätzt“, betont Kofler und nimmt damit etwa auf die deutlich kritischere Biografie von Wilfried Kirschl – einem Freund der Familie – Bezug, der den Nachlass Albin Egger-Lienz’ öffnete. „Schon sehr früh war es Ila ein wichtiges Anliegen, dass ihr Vater aus dem Image des Bauernmalers heraustritt. Der große Hype um ihn begann ja erst durch die Stiftung Leopold“, betont Kofler.

Der Erfolg ihrer Biografie war für Ila Antriebsfeder, sich als Schriftstellerin zu versuchen. Romane und Gedichte entstehen. „Der Stil der leicht schwärmerischen Familiengeschichten mit philosophischem Hintergrund ist antiquiert und bleibt bis zuletzt unverändert“, weiß Fast.

Ila war in jungen Jahren mit einem Japaner liiert, ihre „große Liebe“ fand sie jedoch mit einer Frau. „Sie lernte in Lienz ihren Lebensmenschen, die deutlich ältere Dolmetscherin Gisela Loewenthal, kennen, mit der sie 37 Jahre zusammenlebte“, erzählt Fast. Mit ihr verließ Ila 1954 Lienz, wechselte nach Wien, Holland, München und schließlich nach Innsbruck, wo Gisela in hohem Alter verstarb.

Ila hatte zeitlebens Kontakt zu Osttirol und nahm 1996 anlässlich des 70. Todesjahres ihres Vaters die Enthüllung der Egger-Lienz-Büste auf dem gleichnamigen Platz vor. Ila starb 2003 in Innsbruck.

Wer noch mehr über die zierliche, aber starke Frau erfahren und bisher unveröffentliche Fotos aus dem Nachlass sehen will, hat am 7. Februar Gelegenheit dazu. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes wird um Anmeldung (04852-63972) gebeten.


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