Mädchen und Frauen bei Faschingsumzug sexuell belästigt

Nach einem Faschingsumzug in Navis ermittelt die Polizei wegen sexueller Belästigung von mehreren jungen Frauen in einem Umzugswagen aus Natters.

Von Christoph Mair

Navis – Nach außen hin war der Faschingsumzug am 15. Februar in Navis das erwartete farbenfrohe, unbeschwerte lokale Spektakel mit Kostümprämierung und rund 700 begeisterten Besuchern.

Dass die Veranstaltung mehr als eine Woche später weit über die Ortsgrenzen hinaus für negative Schlagzeilen sorgt, hat mit den Vorgängen im Inneren eines der Umzugswägen, der so genannten „Weibermühle“ aus Natters zu tun. Unter dem Deckmantel des Brauchtums sollen dort laut Polizei mehrere Mädchen und junge Frauen sexuell belästigt worden sein.

Die Opfer im Alter zwischen 15 und 27 Jahren seien durch „die jungen, offensichtlich durchwegs auch alkoholisierten Männer“ aus dem Publikum auf den Wagen geholt worden, heißt es im Polizeibericht. Dort wurden sie traditionell mit Mehl und Sägespänen beworfen. Bei der anschließenden „Reinigung“ gingen die Männer aber anscheinend weiter als zulässig. Die Frauen mussten sich offenbar bis auf die Unterwäsche ausziehen und seien dabei von den Männern auch unsittlich berührt worden. Ein Entkommen war nicht möglich, weil die Wagentür, zumindest kurzzeitig, versperrt gewesen sei. Was genau in der Weibermühle passiert ist, müsse erst geklärt werden, betont der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant von Innsbruck-Land, Christoph Kirchmair. Der Veranstalter des Umzugs habe die Vorfälle der Polizei gemeldet. Seither hätten „drei bis vier Opfer“ ausfindig gemacht werden können, die genauso wie die Verdächtigen erst einvernommen werden müssten. Veranstalter des Faschingstreibens war die Schützenkompanie Navis. Deren Obmann Markus Thür beteuert, dass er während des Umzugs nichts von den angeblichen Übergriffen mitbekommen habe.

Erst beim anschließenden Patschenball, als die mutmaßlichen Täter bereits heimgefahren waren, hätten ihm Frauen, teils unter Tränen, von den Vorgängen auf dem Wagen erzählt.

Thür berichtet von sechs Fällen, darunter zwei 15-jährige Mädchen. Noch am gleichen Abend habe er das Gespräch mit deren Eltern gesucht und um 22.30 Uhr telefonisch und tags darauf persönlich die Polizei informiert. Von den Betreibern der „Weibermühle“ ist Thür „sehr enttäuscht“. Diese hätten ihn angerufen, mit der Bitte, am Umzug teilnehmen zu dürfen. Er habe zugestimmt, „schließlich wollte ich einen schönen, großen Umzug“.

„Schwer erschüttert“ von den Vorwürfen, von denen er bislang nur aus den Medien erfahren habe, zeigt sich auch der Chef der „Weibermühle Natters“, Martin Mayr. Er selbst war auf dem Wagen dabei und ihm sei dabei nichts aufgefallen. Bei so einem Umzug sei jedoch viel los und nicht immer alles zu überblicken. „Wenn sich jemand danebenbenommen hat, hat er die Konsequenzen zu tragen“, betont Mayr, dass man alles tun werde, um die Sache aufzuklären. Dass sich die Frauen in der Weibermühle wie im Polizeibericht zu lesen bis auf die Unterwäsche ausziehen mussten, sei „nicht üblich“, sagt der Sprecher der Faschingsgruppe.

Die Polizei Matrei bittet weitere betroffene Frauen sowie Zeugen sich unter Tel. 0591337117 zu melden.


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