Protest gegen Justizwillkür in Moskau: Rund 300 Festnahmen

Vorbei mit der Olympia-Ruhe: In Russland griff die Polizei bei einer Kundgebung gegen Justizwillkür hart durch. Unter den angeblich über 300 Festgenommenen sind auch Oppositionspolitiker Nawalny und Mitglieder der Punkband Pussy Riot.

Moskau - Einen Tag nach Ende der Olympischen Winterspiele in Sotschi ist die russische Regierung massiv gegen Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin vorgegangen. Ein Gericht in Moskau verurteilte acht Oppositionelle wegen Anstiftung zur Gewalt gegen den Staat zu bis zu vier Jahren Haft. Menschenrechtler kritisierten das Verfahren als „Schauprozess“. Die Zahl der Festnahmen stieg von 200 auf 300 an.

Vor dem Gerichtsgebäude nahm die Polizei mindestens 230 Demonstranten vorübergehend fest. Darunter waren auch Oppositionsführer Alexej Nawalny sowie Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von der kremlkritischen Gruppe Pussy Riot. Insgesamt beteiligten sich dem Internetportal kasparov.ru zufolge etwa 700 Menschen an dem unerlaubten Protest gegen Justizwillkür.

Am Abend führten Sicherheitskräfte im Stadtzentrum erneut mindestens 70 Menschen ab. Nawalny, Tolokonnikowa und Aljochina wurden dabei erneut festgenommen. Regierungsgegner hatten aus Protest gegen die Urteile zu einer „Volksversammlung“ nahe dem Kreml aufgerufen. Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab.

Die Demonstranten skandierten vor dem Gerichtsgebäude „Schande“ und „Maidan“, eine Anspielung auf die Proteste in der Ukraine, die zum Sturz des Präsidenten führten. Die Anwälte und Verwandten der Verurteilten hatten befürchtet, dass die Unruhen in der benachbarten Ukraine das Gericht zu einer demonstrativ harten Strafe bewegen könnten. Die Verteidiger kündigten Berufung gegen die Urteile an. Sie hatte aus Mangel an Beweisen auf Freispruch plädiert. Menschenrechtler kritisieren den Prozess als politisch motiviert.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Ein großes Polizeiaufgebot sicherte seit dem Morgen die Gegend um das Gerichtsgebäude. Bereits am Freitag hatte Richterin Natalia Nikischina die Angeklagten schuldig gesprochen. Schon zu diesem Zeitpunkt waren mehr als 400 Menschen bei Protesten gegen die Entscheidung festgenommen worden. (dpa, Reuters)


Kommentieren


Schlagworte