Fall Lucile: LKA Tirol wartet auf Ermittlungsergebnisse aus Bayern

Laut Chefermittler Walter Pupp gebe es momentan keinen Hinweis darauf, dass der in Bayern Hauptverdächtige für die Straftat in Kufstein infrage kommt. Unter anderem gelte es zu klären, ob der Mann zur Tatzeit im Jänner überhaupt in Österreich war.

Die Stelle, an der Lucile K. in der Nacht zum 12. Jänner 2014 ermordet wurde.
© ZOOM-Tirol

Kufstein – Im Fall der in Kufstein getöteten 20-jährigen Studentin Lucile K. aus Frankreich wartet das Tiroler LKA nach Bekanntwerden eines ähnlichen Verbrechens in Bayern auf die dortigen Ermittlungsergebnisse. Die Kollegen im Freistaat seien dabei den Fall abzuarbeiten, die weiteren Schritte der Tiroler Ermittler würden von diesen Ergebnissen abhängen, sagte LKA-Leiter Walter Pupp am Montag.

Momentan gebe es aber keinen Hinweis darauf, dass der dort Hauptverdächtige für die Straftat in Kufstein infrage kommt, erklärte Pupp. Unter anderem gelte es zu klären, ob der Mann zur Tatzeit im Jänner überhaupt in Österreich war. Erst nach einer Prüfung der Ermittlungsergebnisse könne man etwa über die Anordnung eines Abgleichs der DNA des Verdächtigen mit Spuren des Falles in Kufstein entscheiden, sagte der Chefermittler. Pupp rechnet damit, in den nächsten „Tagen oder Wochen“ erste Ergebnisse aus Bayern zu bekommen.

Fall in Bayern

Die zwölfjährige Franziska war am 16. Februar bei einem Baggersee in Neuburg westlich von Ingolstadt erschlagen aufgefunden worden. Die Tiroler Ermittler würden sich jetzt ebenfalls für den Hauptverdächtigen interessieren, der gestanden haben soll, das Mädchen getötet zu haben, hatte die Online-Ausgabe der „Augsburger Allgemeinen“ am Wochenende berichtet. LKA-Leiter Pupp erklärte, dass es Routine sei, bei Gewaltverbrechen ähnliche Fälle in einem Umkreis von 500 Kilometern zu überprüfen.

Bei dem Fall in Bayern gingen die Ermittler laut dem Bericht von einem Sexualstrafdelikt aus. Die Kriminalisten in Tirol zogen bisher einen Raub als Hintergrund in Betracht, wollten aber andere Motive auch nicht ausschließen.

Die „Augsburger Allgemeine“ sah mehrere Parallelen: Der Verdächtige soll seit mehr als einem Jahr Mitglied einer rechtsextremen Facebook-Gruppe aus Österreich sein. Zudem soll er in der Münchner Tuningclub-Szene aktiv gewesen sein, was mit der verwendeten Tatwaffe im Fall Lucile übereinstimmen könnte. Denn dabei handelt es sich um ein stabiles Eisenrohr, mit dem ein Wagenheber oder eine Hydraulikpumpe an Lastwagenführerhäusern bedient werden könne.

Pupp: Phantombild habe keine Ähnlichkeit mit dem Gesuchten

Auch das Phantombild solle zu dem Verdächtigen passen. Diesbezüglich betonte Pupp am Montag erneut, dass die Zeichnung sehr allgemein gehalten sei. Zudem habe er bei Betrachtung des Fotos des Hauptverdächtigen in diversen Medien keine Ähnlichkeit mit dem Gesuchten auf dem Phantombild erkennen können.

Die Leiche der 20-jährigen Französin, die aus der Gegend von Lyon stammte und vier Monate im Rahmen eines Austauschprogrammes in Kufstein studiert hatte, war am 12. Jänner von Polizisten am Ufer des Inns entdeckt worden. Freunde und Studienkollegen hatten die junge Frau als vermisst gemeldet. Todesursache waren laut Obduktion heftige Schläge auf den Kopf. Taucher fanden schließlich die Tatwaffe im Inn. Es handelte sich um die Eisenstange. (APA)


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