Der Weg zur inneren Freiheit

Fasten ist das Tor zu Körper, Geist und Seele, sagt der Ganzheitsmediziner Peter Gritsch. Zum heutigen Beginn der Fastenzeit ein Wegweiser in neun Punkten.

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© Hemera

Von Andrea Wieser

Innsbruck – Schon rund zwanzigmal hat der Allgemeinmediziner Peter Gritsch aus Gnadenwald eine Fastenkur selbst durchlaufen. Aus beruflichen Gründen, im Zuge seiner Ausbildung, aber auch aus Überzeugung. Heute warnt er davor, dass wir uns nicht zum „Sklaven unseres Gaumens“ machen dürfen: „Die Auswirkungen unkontrollierten Essens auf unsere Gesundheit sind verheerend.“ Aber das sei nur ein guter Grund für eine Fastenkur. Auf der anderen Seite stehe die mentale Reinigung und die damit verbundene geistige Hochstimmung.

Gute Argumente, den heutigen Beginn der Fastenzeit wieder einmal etwas ernster zu nehmen. Ein Wegweiser in neun Punkten:

- Die richtige Kur finden. Die gängigsten Kuren sind jene nach F. X. Mayr (berühmt für die Milch-Semmel-Kost), nach Buchinger (eine ausschließliche Trinkkur auf der Basis von Gemüsebrühe, Säften und Tees) und das Basenfasten (Verzicht auf säurebildende Nahrungsmittel, wie z. B. Milchprodukte). In Mode gekommen ist in den letzten Jahren auch eine vom Kabarettisten Bernhard Ludwig propagierte Halbierungsmethode, bei der nur jeden zweiten Tag gegessen wird. In den USA, wo das System derzeit sehr beliebt ist, wird es „Alternate Day Fasting“ genannt. Gritsch ist davon wenig überzeugt: „Man ist damit jeden zweiten Tag nicht gesellschaftsfähig, das kann ich nicht propagieren.“

- Mit Arzt oder ohne? Wer nur bis zu drei Tage fastet, kann das durchaus alleine machen. Darüber hinaus rät Gritsch zu einer Kur, die vom Experten begleitet wird und auf den Patienten abgestimmt ist. Wer sich also die 40-tägige katholische Fastenzeit vorgenommen hat, sollte das nicht im Alleingang wagen.

- Kraft durch Motivation. Wer Fasten mit Hungern verwechselt, hat die falsche Einstellung. Ganz grundlegend ist der absolute Wille zur Kur, sonst gibt man schnell auf.

- Alles zu seiner Zeit. Den richtigen Zeitpunkt zu finden ist fast so wichtig wie die nötige Motivation. „Wen z. B. im Job sehr viel Stress erwartet, sollte einen anderen Zeitpunkt wählen“, rät Gritsch aus Erfahrung. Nur wer die nötige Ruhe und Konzentration aufbringen kann, hat auch eine Chance auf den Kurerfolg.

- Flüssigkeit muss sein. Egal für welches Konzept man sich entscheidet, Trinken ist die Grundlage aller Kuren. „Ich rate zu zwei bis drei Litern pro Tag,“ so Peter Gritsch. In Frage kommen in erster Linie Wasser und Kräutertees sowie leere Gemüsebrühe.

- Altlasten ausleiten. Die Reinigung beginnt im Körper. Neben der Trinkkur ist ein zentrales Element die Reinigung des Darms. Wenig beliebt, aber effektiv ist das Ausleiten durch salinisches Bitter- oder Glaubersalz. Die Wasser-Salz-Mischung, die als Getränk angerührt wird, schmeckt leider nicht besonders, aber entleert den Darm und reinigt effizient von den Giften, die von der Leber ausgeschieden wurden.

- Alle drei Ebenen erleben. Für Gritsch ist das Fasten ein Erlebnis für Körper, Geist und Seele. „Das Fasten kommt nicht umsonst aus den Religionen. Im Idealfall hilft es, den Weg nach innen zu finden,“ meint Gritsch. Dazu müsse man nicht zwingend ein spiritueller Mensch sein, eine Kur sei aber weit mehr als nur reine Gewichtsreduktion.

- Energie durch Verzicht. Fasten-Experten berichten von einem Glücksgefühl, das in den USA der „Flow“-Effekt genannt wird. „Ich würde das fast Euphorie nennen“, sagt Gritsch. „Aber es gibt leider keine Garantie dafür. Es ist leider nicht immer gleich. Tatsächlich stellt sich fast immer eine geistige Hochstimmung ein, in der man glaubt, die ganze Welt zerreißen zu können.“ In solchen Situationen erledigen Kurpatienten lang aufgeschobene Projekte (Schrank ausmisten, Rauchen aufhören ...).

- Glück durch Fasten. Auf der finalen Stufe des Fasten-Programms steht für Gritsch die tatsächliche ganzheitliche Gesundheit: „Das Fasten ist ein Schlüssel, der uns nicht nur das Tor zu Gesundheit für Körper, Geist und Seele aufsperrt, sondern uns letztendlich wahre innere Freiheit bringen kann.“


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