Eine g’mahte (Alm-)Wiese?

Der Neubau der Umbrüggler Alm polarisiert in vielerlei Hinsicht. SP und Grüne wollen sich die Kosten noch einmal genauer anschauen. Freude und Kritik kommen von den Alm-Nachbarn.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Bernhard Schlechter ist in Innsbruck eine Institution. Seit vielen Jahren „schupft“ er die Höttinger Alm hoch über der Stadt. Mit seiner Meinung hat Schlechter noch nie hinterm Berg gehalten: „Super, dass die Alm gebaut wird.“ Damit meint der allseits beliebte Pächter die am Montag präsentierten Pläne zum Wiederaufbau der Umbrüggler Alm, die TT berichtete. Schlechter hatte im Jahre 2002 dem Kasermandl „Asyl gegeben“. Mit einem Bild an der Höttinger Alm. Die neue Konkurrenz fürchtet er nicht: „In der Stadt gibt’s auch alle hundert Meter eine Pizzeria.“ Die Nordkette sei immerhin der größte Freizeitpark Innsbrucks, sagt Schlechter. Und da brauche es halt auch dementsprechend viele Stützpunkte zur Erholung. Eher werde es schon die Arzler Alm treffen, befürchtet Schlechter. Die neue Ampelkoalition sowie Forstamtsleiter Andreas Wildauer täten viel für die Almen, streut er Rosen. Wenngleich er sich angesichts des bis zu 2,5 Mio. Euro teuren Alm-Neubaus einen Seitenhieb nicht verkneifen kann: „Das ist schon nicht schlecht.“ Schlechter hat so seine eigene Definition einer Alm: „Wer eine Fritteuse hat, ist keine Alm mehr, sondern ein Gasthaus.“ Punkt.

Prinzipiell heißt auch der zweite unmittelbare Nachbar der Umbrüggler Alm, die Arzler Alm, die Neubaupläne willkommen, wie Maria Anzengruber sagt: „Wir haben da nicht viel dagegen.“ Das große Aber folgt auf dem Fuß. Mit diesen Millionen hätte man zuerst besser die bestehenden drei Almen (Arzler, Höttinger, Bodensteiner) „richtig sanieren“ sollen, sagt die ehemalige Pächterin, deren Sohn nun die Arzler Alm führt. Dass es genug Interessenten geben werde, das glaubt auch Anzengruber: „Aber die müssen erst einmal einen Pächter finden, der Tag und Nacht dasteht.“ Schließlich soll die Umbrüggler Alm ganzjährig geführt werden. Auch die Ideen einer Rodelbahn oder eines „Tors zum Alpenpark Karwendel“ seien nicht neu. Das hätte man auch bei der Arzler Alm schon vor Jahren realisieren wollen – habe es aber nie genehmigt bekommen, so der Vorwurf.

Politisch dürften die Neubaupläne auch noch keine „g’mahte Wiesn“ sein. Zumindest nicht in finanzieller Sicht. Grundsätzlich stehen die Koalitionspartner Grüne und SP hinter dem von der Bürgermeisterliste Für Innsbruck unterstützten Entwurf. Beide betonen aber, dass die Kostenfrage noch einer eingehenderen Hinterfragung bedürfe. SP-Klubobmann Arno Grünbacher will mit dieser Frage zuvor den roten Gemeinderatsklub beschäftigen. Und Grünen-Klubobfrau Uschi Schwarzl sagt, dass „bei der PächterInnensuche das Betriebskonzept im Vordergrund stehen muss, das es der Stadt ermöglicht, zumindest große Teile der hohen Investitionskosten langfristig zurückzuverdienen“. Ein Ausflugsgasthaus sei hier anders zu bewerten als eine Alm mit Gastwirtschaft.

Dem könnte schnell Rechnung getragen werden, wie Wildauer sagt. Künftig wolle man bei Neuverpachtungen eine „gewisse Umsatzbeteiligung“ der Stadt andenken. So auch bei der Umbrüggler Alm. Wie, sei noch unklar.

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Ein Ja kommt indes von der Opposition. „Wir begrüßen den Schwenk von FI, nachdem sie das Projekt über Jahre blockiert hat“, sagt ÖVP-Stadtrat Franz Gruber, der gleichzeitig warnt, dass es zu keinen Baukostenüberschreitungen kommen dürfe. FI-Klubchef Lucas Krackl konterte via Aussendung. Man habe nur mit den „Baustellen der Vorgänger aufgeräumt“.


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