Zeitung publiziert Liste der 200 „Top-Homosexuellen“ des Landes

Einen Tag nach der Verabschiedung des weltweit kritisierten Gesetzes zur Schwulenverfolgung, veröffentlichte das größte Boulevardblatt Ugandas die angeblichen 200 „Top-Homosexuellen“.

© EPA

Kampala - Nach dem Beschluss des insbesondere in westlichen Ländern kritisierten Gesetzes zur Verfolgung Homosexueller in Uganda, steigt die Angst vor Übergriffen auf Schwule und Lesben in dem afrikanischen Land. Die größte Boulevardzeitung Ugandas, „Red Pepper“, veröffentlichte am Dienstag eine Liste der „200 Top-Homosexuellen“ des Landes. Unter dem Titel „Entlarvt“ wurden auch zehn Porträts mutmaßlicher Homosexueller abgedruckt.

Die Menschenrechtsaktivistin Clare Byarugaba sagte am Dienstag in der Hauptstadt Kampala, seit Inkrafttreten des Gesetzes versteckten sich in ihrem Büro mehrere Betroffene, die Attacken fürchteten. Bereits Ende 2010 hatte „Rolling Stone“ - eine Zeitung, die nichts mit dem US-Magazin zu tun hat - eine Liste der „100 Top-Homosexuellen“ unter dem Titel „Hängt sie!“ veröffentlicht. Auch die Adressen und intime Details über die Personen waren publiziert worden.

Westliche Staaten warnen Uganda vor Einbußen

Westliche Staaten haben Uganda wegen des Gesetzes vor Einbußen gewarnt. Jede Debatte über wirtschaftliche Chancen werde von der Entscheidung des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni überschattet, sagte Schwedens Finanzminister Anders Borg am Dienstag der Nachrichtenagentur TT. Das homophobe Gesetz stelle ein „finanzielles Risiko“ für Uganda dar.

Museveni setzte am Montag mit seiner Unterschrift ein seit Jahren debattiertes Gesetz in Kraft, das lebenslange Haft für Homosexuelle vorsieht und die „Förderung von Homosexualität“ in der Öffentlichkeit kriminalisiert. Das Gesetz verschärft bereits bestehende Strafen für Homosexuelle, die beim Sex erwischt werden - auch wird damit erstmals Lesbianismus und „Beihilfe zu homosexuellen Akten“ illegalisiert.

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Norwegen und Dänemark erklärten daraufhin umgehend, Entwicklungshilfe-Gelder zurückhalten zu wollen. Die USA, die dem Land knapp 300 Millionen Euro im Jahr geben, sagten, man werde die Finanzhilfe überdenken.

Österreich gab 2 Mio. Euro für Aufbau des Justizwesens

In Österreich hieß es am Montag aus dem Außenministerium, man wolle grundsätzlich die Entwicklungshilfe stärker auf die Beachtung der Menschenrechte ausrichten. Zuletzt förderte die Republik 2013 den Aufbau des ugandischen Justizwesens mit zwei Millionen Euro.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) betonte am Dienstag in einer Aussendung, Anti-Homosexuellen-Gesetze stellten eine „Aberkennung ihrer fundamentalen Rechte“ dar - der Schutz von homosexuellen, bisexuellen, trans- oder intersexuellen Personen (LGBTI) müsse gewährleistet werden. Für seine Worte erhielt Kurz von den Grünen Lob.

Homosexualität ist in den meisten afrikanischen Ländern verboten. In Uganda ist gleichgeschlechtlicher Sex schon seit der Kolonialzeit illegal. (tt.com, APA/Reuters)


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