„Costa“-Unglückskapitän Schettino erstmals auf Schiff zurückgekehrt

Mehr als zwei Jahre nach der Havarie vor Giglio bestieg Francesco Schettino am Donnerstag das Wrack des Schiffes, das er in der Unglücksnacht im Januar 2012 zurückgelassen hatte.

Der Unglückskapitän der havarierten "Costa Concordia" ist für eine Besichtigung erstmals an Bord des Schiffs zurückgekehrt.
© REUTERS/Alessandro Bianchi

Giglio - „Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino ist am Donnerstag im Zuge des Prozesses gegen ihn erstmals wieder auf das havarierte Kreuzfahrtschiff vor der italienischen Insel Giglio zurückgekehrt. Auf Antrag der Verteidigung nahm er an einem Besuch von Experten auf der Insel und dem Wrack teil. Die Fachleute sollen einen Bericht für die Verhandlung anfertigen. Schettino muss sich vor einem Gericht im toskanischen Grosseto wegen der Havarie verantworten.

Schettino besichtigte mit Richtern, Staatsanwälten, Verteidigern und Gutachtern den Ort des Unglücks vom Jänner 2012. Er durfte jedoch die Gutachter des Gerichts von Grosseto, vor dem ein Prozess gegen den Kapitän wegen fahrlässiger Tötung läuft, nicht ansprechen. Bei dem Besuch wurden der Notstrom-Generator und ein Lift untersucht, in dem mehrere Menschen ums Leben gekommen waren.

Ich bin kein Schwächling, ich will die Wahrheit
„Costa Concordia“-Kapitän Francesco Schettino

Der Kapitän verbrachte die Nacht in einer Wohnung auf der Insel. „Die Gefühle, die ich empfunden habe, als ich das Wrack gesehen habe, kann man mit Worten nicht beschreiben. Ich habe an die letzten zwei Jahre und an die vielen Lügen gedacht, die über die Unglücksnacht gesagt wurden“, betonte Schettino im Gespräch mit der Tageszeitung „La Nazione“.

Schettino, der am Dienstagabend auf Giglio eingetroffen war, wollte ursprünglich nicht an dem Besuch des Wracks teilnehmen. „Ich habe ihn davon überzeugt. Es ist wichtig, um Klarheit über die Hintergründe der Havarie zu gewinnen“, berichtete der Rechtsanwalt des Kapitäns, Domenico Pepe.

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Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes, Francesco Schettino.
© EPA/CLAUDIO GIOVANNINI

Die Rückkehr von Schettino ist von einem großem Medienrummel begleitet worden. Eine Gruppe von Reportern und Kameraleuten wartete auf Schettino, der sich nervös am engen Kai des Hafens einen Weg durch die Menschenmenge bahnen musste, bevor er ein Boot der Küstenwache betreten konnte.

„Die Anwesenheit des Kapitäns ist wegen der riesigen Komplexität des Schiffes und seiner Kontrollsysteme wichtig“, berichtete Schettinos Anwalt Domenico Pepe. „Ich bin kein Schwächling, ich will die Wahrheit“, sagte Schettino, bevor er an Bord des Schiffs ging.

Schettino klagte über „Aggression“ und über eine „Verfolgungskampagne“ der Journalisten. Zu dem Ortstermin dürfe er nichts sagen, sagte er bei einer Pressekonferenz, nachdem er an Bord gegangen war. Er hoffe aber, dass das Wrack so schnell wie möglich weggeschafft werde.

Der Bürgermeister der Insel Giglio, Sergio Ortelli, versicherte indes, dass das Wrack der Costa Concordia planmäßig Ende Juni weggeschleppt werden soll. Noch unklar ist, wo das havarierte Schiff zerlegt wird.

Das Wrack der "Costa Concordia" soll im Sommer weggeschleppt werden.
© REUTERS/Alessandro Bianchi

Die „Costa Concordia“ hatte am 13. Jänner 2012 vor der Küste der Toskana einen Felsen gerammt und war in Schieflage geraten. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 österreichische Passagiere, die sich retten konnten. Schettino muss sich in der toskanischen Stadt Grosseto seit Juli unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Er hatte den Unfallort in einem Rettungsboot verlassen. (APA/dpa)


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