„Schichtbetrieb“ erhöht bei Fischlarven Risiko für Herz-Erkrankungen

Eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus erhöht bei Zebrafischlarven das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Innsbruck rund um die Zoologin Margit Egg. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Chronobiology International“ veröffentlicht und könnte einen Hinweis auf die Ursache vermehrter kardiovaskulärer Erkrankungen bei Schichtarbeitern liefern.

Innsbruck – Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus veränderten bei den Larven die Anzahl und Qualität der roten Blutkörperchen deutlich und beeinflussten die Lebenserwartung der Tiere, hieß es in einer Aussendung der Universität Innsbruck am Donnerstag. „Die Zebrafischlarven mit gestörtem Tagesablauf hatten deutlich mehr Erythrozyten (Rote Blutkörperchen, Anm.) im Blut, als die Kontrollgruppe“, erklärte Zoologin Margit Egg. Grund dafür sei, dass die Tiere mit gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus zwar kaum noch neue Erythrozyten produzierten, aber noch sehr viele alte im Blut haben. „Die Störung der inneren Uhr unterbindet offenbar die Ausmusterung der alten Zellen“, erläuterte Egg.

Dieser Effekt habe aber fatale Folgen für die Tiere: Die alten Blutkörperchen transportieren laut Egg nur noch wenig Sauerstoff, verklumpen leicht und bleiben an den Wänden der Blutgefäße haften. Die Tiere weisen auch eine erhöhte Sterblichkeit gegenüber der Kontrollgruppe auf: „Die Überlebensrate sinkt um 30 Prozent“, betonte die Zoologin.

Werden die Zebrafischlarven gleichzeitig aber Sauerstoffmangel ausgesetzt, verringere sich die Sterblichkeit um fast die Hälfte. „Durch den Mangel an Sauerstoff wird das epo-Gen aktiviert und die Larven produzieren vermehrt neue Erythrozyten“, erklärte die Wissenschafterin: „Das scheint ihre Überlebenschancen zu verbessern.“

Die Ergebnisse seien zwar nicht direkt auf den Menschen übertragbar. „Es wäre aber lohnenswert, Menschen im Schichtbetrieb in dieser Hinsicht zu untersuchen“, argumentierte Egg. Denn bis dato gebe es keine wissenschaftliche Erklärung dafür, dass Schichtarbeiter ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Liege diesem Umstand tatsächlich eine ähnliche Ursache wie bei den Zebrafischlarven zugrunde, dann gäbe es ein einfaches Heilmittel, so Egg: „Schichtarbeiter müssten nur regelmäßig Blutspenden gehen, um das Herzkreislaufsystem vor diesen negativen Effekten des gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus zu schützen.“ (APA)


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