Diplomatische Krise zwischen Marokko und Frankreich verschärft sich

Mit den Worten eines Oscarpreisträgers fing alles an. Eine Aktion der französischen Polizei brachte dann für Marokko das Fass endgültig zum Überlaufen. Die Beziehungen zwischen dem nordafrikanischen Königreich und der früheren Kolonialmacht werden auf eine harte Probe gestellt.

Rabat - Eine von Hollywoodstar Javier Bardem ausgelöste diplomatische Krise zwischen Marokko und Frankreich hat sich drastisch zugespitzt. Die Regierung in Rabat legte die juristische Zusammenarbeit mit Paris bis auf weiteres auf Eis. Eine von der staatlichen Nachrichtenagentur MAP am späten Mittwochabend veröffentlichte Erklärung prangert eine Aktion der französischen Behörden scharf an. „In provokativer Form“ hätten sieben Polizisten versucht, einem hohen marokkanischen Beamten in der Pariser Botschafter-Residenz eine richterliche Vorladung zu übergeben.

Bei dem Beamten handelt es sich nach Medienberichten um den Chef des marokkanischen Geheimdienstes DGST, Abdellatif Hammouchi. Er wird von der Menschenrechtsbewegung ACAT in Paris der Folter gegen einen Aktivisten der Westsahara-Befreiungsfront Polisario, Naama Asfari, bezichtigt. Asfari war 2013 wegen eines vermeintlich unter Folter abgelegten Geständnisses zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Rabat bezeichnete das Vorgehen der französischen Behörden als „skandalös“, „inakzeptabel“ und als „schwerwiegende Verletzung der elementaren Regeln der Kooperation“. Die Beziehungen zwischen dem nordafrikanischen Königreich und der früheren Kolonialmacht Frankreich hatten sich allerdings bereits vor diesem Zwischenfall aufgrund einer Aussage von Schauspieler Bardem verschlechtert. Der Oscarpreisträger aus Spanien hatte in der vergangenen Woche in Paris enthüllt, ein hoher französischer Diplomat habe ihm gegenüber eingeräumt, dass Paris im Westsahara-Konflikt ein Auge zudrücke.

Der französische UN-Botschafter Gérard Araud habe ihm gesagt, so Bardem, Marokko sei „eine Geliebte, mit der man jeden Tag schläft und die man verteidigen muss, auch wenn man nicht besonders in sie verliebt ist“. Rabat forderte eine Entschuldigung. Obwohl Präsident François Hollande König Mohammed VI. prompt anrief, um die Differenzen zu glätten, versammelten sich am Dienstag Tausende Empörte vor der französischen Botschaft in Rabat.

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Bardem setzt sich seit Jahren für die Menschen in Westsahara ein. Das Territorium an der Atlantikküste Nordwestafrikas war nach dem Abzug der spanische Kolonialmacht 1976 von Marokko größtenteils annektiert worden. Menschenrechtsgruppen klagen, das Gebiet werde von Rabat mit brutaler Gewalt kontrolliert. Mit seinem Dokumentarfilm „Hijos de las nubes, la última colonia“ („Söhne der Wolken, die letzte Kolonie“, 2012) weist der 44-Jährige auf die katastrophale Lage der 100.000 bis 200.000 saharauischen Flüchtlinge hin. (dpa)


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