Charmanter Pop mit Verve

US-Musikerin Joan As Police Woman serviert ein geschmackvolles neues Album.

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Von Sabine Theiner

Innsbruck –Joan Wasser sagt, so gut wie jetzt sei es ihr in ihrem Leben noch nie gegangen. Diese Kunde fliegt dem Hörer ihres neuen Albums „The Classic“ dann auch mit voller Kraft um die Ohren. Schon ab der ersten Nummer „Witness“ geht es zu wie auf einer spektakulären Eröffnungszeremonie, gut gelaunt, packend und swingend. Bekannt wurde die Violinistin aus Maine aber mit gedämpften, nachdenklichen Tönen. Schon 1999 folgte Wasser dem Ruf von Anthony Hegarty und spielte mit seiner extravaganten Band The Johnsons das wunderbare „I Am A Bird Now“ (2005) ein. Darüber hinaus hat sie mit Rufus Wainwright, Lou Reed, Damon Albarn, Dave Gahan und Jeff Buckley gearbeitet. Auf ihrem neuen Album tut sie sich nun mit Singer/Songwriter Joseph Arthur und dem Comedian Reggie Watts zusammen.

Die kraftvolle Sängerin lässt auf „The Classic“ musikalische Wellen über einen imposanten Playground fließen, angelehnt an die Tradition des Torch-Songs, einer alten, sentimentalen Form des Liebesliedes, das von Aretha Franklin, Otis Redding oder Eartha Kitt interpretiert wurde. Soulig, tief und herzhaft kommen diese Nummern daher, charmant und weich, wie das verführerische „Shame“ oder das klingende „What Would You Do“. Die Grundzüge dieser Liedform sind in Joan As Police Womans Songs mit großer Kraft spürbar, mit Standfestigkeit und Sicherheit, die sich eindrucksvoll zwischen Bläsern, Streichern und Stimmen ausbreitet und ein spritziges Kaleidoskop an Melodien entstehen lässt. Thematisch konzentriert sich Wasser auf ihr Anliegen, nämlich alle persönlichen Dinge nach bestem Wissen und Gewissen zu lösen, um sich auf die unbeschwerte Lust am Leben konzentrieren zu können.

„The Classic“ wird seinem Namen gerecht: Das hier ist kein modernes Pipapo, sondern ein Knicks vor der amerikanischen Liedkunst. Wasser, deren Künstlername wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Angie Dikinson in der Fernsehserie „Police Woman“ entstand, zeigt, wie lustvoll und überzeugend das Musikmachen (und -hören) in Anlehnung an traditionelle Strukturen sein kann.


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