Nicht nur die Queen amüsiert sich

Der britische Nobelhersteller Bentley öffnete seine Werkstore und gewährte einen tiefen Einblick in die Herstellung der edlen Luxus-Gefährte – und ließ auch Probe fahren.

Bentleys Neuer, Coupé und Convertible: der New Continental GT V8 S mit Twinturbo-V8, 4 Liter Hubraum, 528 PS, 680 Nm, 2296 kg, Allrad.Foto: Hersteller

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Crewe –Was überrascht, das ist der gedämpfte Geräuschpegel. Obwohl in den Hallen des Bentley-Werks gehämmert, geklopft und gebohrt wird, obwohl Maschinen surren, brummen und zischen. Doch nichts schreit, kreischt und heult. Der Background-Sound ist eher wie ein ruhig schlagender Puls, in entspanntem und konstantem Rhythmus.

Im Vordergrund nehmen Schritt für Schritt neue Bent­leys Gestalt an: das Flaggschiff Mulsanne – der als Einziger von Karosserie bis Motor komplett in Crewe hergestellt wird –, die verschiedenen Varianten des Continental sowie der New Flying Spur. Daran beteiligt sind bemerkenswert wenige Roboter, wie in Auto-Produktionsstätten heutzutage sonst üblich, dafür bemerkenswert viele Menschen. Weshalb man das Bentley-Werk in Crewe, in der englischen Grafschaft Cheshire nahe Manchester, kaum als Fabrik bezeichnen mag. Eher als Manufaktur, eine mit – zurzeit – rund 3600 Mitarbeitern.

Von diesen werden unter anderem Lenkräder manuell mit Leder bespannt und vernäht – was rund vier Stunden pro Stück dauert –, Holzfurniere händisch aufbereitet und geschliffen, Lederhäute penibel inspiziert und zugeschnitten, Motoren von Hand montiert und finalisiert, Lacke Schicht für Schicht appliziert und poliert, Karosserieteile gehämmert und verschweißt. Wohl sind Maschinen im Einsatz, vom Stick- bis zum Hebegerät, doch werden diese in der Hauptsache von Menschen dirigiert. Das Produktionsband des Continental etwa umfasst insgesamt 62 Stationen. Es kommt mit ganzen zwei Robotern aus.

Auf diese Art haben im Vorjahr 10.120 Bentleys die Hallen des Werks in Crewe verlassen. 2012 waren es 8510 gewesen. Spätestens 2017 sollen es 15.000 sein. Das 2013er-Ergebnis war ein krönendes für das vorjährige 75-Jahr-Jubiläum des 1938 in der Pyms Lane errichteten knapp 440.000 Quadratmeter großen Werks des 1919 gegründeten Edel-Autoherstellers, der seit 1998 die Luxus-Abteilung im Konzert der VW-Konzernmarken markiert.

In Crewe wird gerade ausgebaut, um einen neuen Showroom und um neue Arbeitsplätze. Denn im Hintergrund laufen auf Hochtouren die vorbereitenden Arbeiten für die nach Mulsanne, Continental und New Flying Spur vierte Modell-Linie: den künftigen neuen SUV mit dem Arbeitstitel EXP 9F. Seine Premiere ist für 2016 angesagt. Was Details betrifft, hält man sich jedoch noch striktest bedeckt, so tief lässt man sich in Crewe derzeit doch nicht hinter die Kulissen blicken.

Immerhin folgte auf den tiefen Einblick in die Herstellung der aktuellen Modelle eine Real-Verkostung, unter anderem des Mulsanne. Fazit: Wenn man dieses Flaggschiff über schmale britische Landsträßchen steuert, ist hoher Respekt angebracht: nicht alleine angesichts der Dimensionen – 5,575 Meter Länge, 2,208 Meter Breite (mit ausgeklappten Spiegeln) – und des Preises des getesteten Modells – ein gutes Stück jenseits der 300.000 Euro-Marke (Ab-Preis in Österreich: 386.880 Euro) –, sondern, ganz besonders, vor der Handarbeit, die darin steckt. Und das amüsiert auch Queen Elizabeth II. Seit 2002 ist ihre offizielle State Limousine ein Bentley, eine auf dem Arnage basierende Sonderanfertigung, von der es genau zwei Exemplare gibt.

Fürs 2014er- und 2015er-Modelljahr offeriert Bentley neu die S-Version des Continental GT V8 mit 528 PS. Die ersten Modelle kommen im März nach Österreich. Die Ab-Preise: 233.880 Euro für den mit festem Dach, 264.880 Euro für den Convertible.

Weiters stehen demnächst der facegeliftete und gestärkte Continental GT Speed (mit 626 PS aus dem 6-Liter-W12) und die neue V8-Variante des New Flying Spur (mit 507 PS) am Start.


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