Eine Kiste aus Beton mit poetisch rostender Haut

Peter Lorenz hat das neue Betriebsdienstgebäude der IVB als klar strukturierte „Fabrik“ mit vielen atmosphärischen Qualitäten geplant.

© peter lorenz

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Der – geladene – Wettbewerb für ein Betriebsdienstgebäude der Innsbrucker Verkehrsbetriebe sah eigentlich nur eine Sanierung bzw. einen Umbau des bestehenden, 1976 als provisorisches Pressezentrum für die Olympiade gebauten Gebäudes vor. Als prinzipiell Unfolgsamer hat sich Peter Lorenz an diese Vorgaben aber nicht gehalten. Um trotzdem mit seinem Projekt als Sieger aus dem Wettbewerb hervorzugehen, das von dem bestehenden Gebäude allein den Keller belässt, in dem die Hightech-Anlage der IVB gebunkert ist. Verbunden mit einem neuen, straßenseitig angelegten offenen Parkdeck wird dieser Sockel zum Fundament für das dreistöckige, ostseitig weit auskragende, auf eine mächtige v-förmige Betonsäule aufgeständerte Gebäude, unter dem die Straßenbahn bequem durchfahren kann.

Indem Lorenz das neue IVB-Gebäude direkt an die Straße stellt, gelingt ihm eine städtebaulich wichtige Setzung im Dialog mit der hochkarätigen Nachbarschaft. Die bestehenden Baulinien werden aufgenommen, intelligent weitergeführt und stadträumlich verdichtet. Zu einem selbstbewusst geradlinigen Gebäude, das in seiner Materialität und Farbigkeit sensibel auf jene der Basilika, auf das Leutehaus und das Stift Wilten reagiert.

Von seinem Wesen her ist das neue IVB-Betriebsdienstgebäude rein funktionell strukturiert. Angelegt als langgezogene rechteckige Kiste, wobei dem zweiten Obergeschoss westseitig das „fehlt“, was ostseitig als kühne Auskragung daherkommt. „Ich wollte eigentlich eine Fabrik bauen“, sagt Lorenz, ein Gebäude, das Identität schafft, mit seiner Funktion, seinem Wesen spielt.

Ein Spiel, das sehr subtil, sehr poetisch ausfällt. Allein schon durch die Haut, die Peter Lorenz seiner „Fabrik“ verpasst hat. Die aus verschieden breiten und teilweise grob bzw. fein gelochten Platten aus Cortenstahl besteht. Jede rostet irgendwie anders vor sich hin, ändert mit dem Licht ihre Farbe zwischen einem hellen Rot und einem dunklen Braun. Im Bereich über dem für den Lichteinfall freigelassenen Fensterbereich können die Platten individuell nach außen geklappt werden, was nicht nur als Sonnenschutz funktioniert, sondern die Fassaden auch fabelhaft verlebendigt.

Hinter dieser malerischen Hülle verbirgt sich ein schlichter, durch 1,35 Meter breite Fenster klar gerasterter Stahlbetonbau. Dessen einziger „Luxus“ die Raumhöhe von 3,20 Metern ist. Sichtbeton dominiert auch das Innere inklusive eines Teils der schnörkellosen Möbel. Atmosphärisch kombiniert mit massivem Holz, mit raumhohen Türen, die wunderschön mit blankem gewachstem Stahl beschichtet sind, sowie semitransparenten Zwischenwänden aus Profilit.

Die Büros sind klein, die gemeinsam nutzbare Infrastruktur findet sich in den breiten Gängen. Der Vorstandsbereich ist im zweiten Obergeschoss inklusive eines großen Sitzungssaales mit vorgelagerter Westterrasse untergebracht. In diesem Ambiente mache das Arbeiten viel Freude, sagt IVB-Geschäftsführer Martin Baltes. Und man glaubt es ihm gern.


Kommentieren


Schlagworte