Europa lässt die Jungen nicht kalt

Kampagne vor der Parlamentswahl versucht Jungwähler zur Urne zu bringen.

© Mair

Innsbruck –Beide haben mit Vorurteilen zu kämpfen: Die Europäische Union gilt bisweilen als abgehoben, technokratisch, bürgerfern, kapitalistisch. Der jüngeren Generation wird nachgesagt, kein Interesse an Politik und schon gar nicht an der EU zu haben. Dass beides zutreffe, versucht Paul Schmidt zu entkräften. Als Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) tourt er im Vorfeld der Wahl zum Europaparlament am 25. Mai mit der Wanderausstellung „Europa – was ist jetzt?“ durch die Schulen.

Bei Gesprächsrunden holt er sich Verstärkung von EU-Parlamentariern und Praktikern, um die Vorteile der EU herauszustreichen und die Jungen zum Wählen zu motivieren. Österreich sei schließlich das einzige Land der EU-28, in dem bereits 16-Jährige zu den Urnen gehen dürfen.

In Tirol fand gestern Freitag der erste Jugendtag statt. Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer gab sich überzeugt, „dass in Brüssel und Straßburg sehr viel Positives entschieden werde. „Nur wird es viel zu wenig zur Bevölkerung transportiert.“

Trotz der fast schon traditionell niedrigen Beteiligung bei der Wahl zum Europaparlament (zuletzt 2009 46 % österreichweit, 36 % in Tirol) sieht Paul Schmidt gerade bei der Motivation der Jugendlichen nicht gänzlich schwarz. Darin bestärkt ihn eine Umfrage unter 240 Schülern an sechs Tiroler Schulen. Zwei Drittel der Befragten sind demnach der Meinung, dass das Europäische Parlament einen großen Einfluss auf EU-Entscheidungen habe. 70 Prozent wollen von ihrem Recht zur Stimmabgabe Gebrauch machen, knapp die Hälfte davon beteuerte sogar, „ganz sicher“ zur Wahl am 25. Mai gehen zu wollen. Immerhin 22 Prozent wollen nicht an der Wahl teilnehmen, die meisten, weil sie glauben, dass ihre Stimme nichts ändern werde bzw. Österreich in der EU nichts zu sagen habe. Der scheidende Tiroler Abgeordnete Richard Seeber (ÖVP) betonte, dass das Europaparlament als einzig direkt gewähltes Organ der EU „eindeutig die Bürgerkammer ist“.

Bei der anschließenden Diskussion mit den Gästen zeigten sich die Schüler an Themen wie dem Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA, der Wasserprivatisierung oder Jugendarbeitslosigkeit sehr interessiert. Die Aktion „Europa – was ist jetzt“ macht bis zur Wahl an 136 österreichischen Schulen Station, darunter 15-mal in Tirol, und ist der Zielgruppe entsprechend auch im Internet und auf Facebook präsent. (cm)


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