Sieben Oscars für „Gravity“, Steve McQueen schreibt Geschichte

„12 Years a Slave“ wurde als Bester Film ausgezeichnet, Cate Blanchett und Matthew McConaughey bekamen den Academy Award als beste Schauspieler.

Die besten Schauspieler: Matthew McConaughey, Cate Blanchett, Lupita Nyong'o und Jared Leto (v.l.).
© EPA/PAUL BUCK

Los Angeles – Das Weltraumepos „Gravity“ stellte sich bei den 86. Oscars am Sonntagabend in Los Angeles (Ortszeit) mit sieben Trophäen bei zehn Nominierungen an die Spitze der Gewinner. Unter anderem wurde der Mexikaner Alfonso Cuaron als erster Lateinamerikaner zum besten Regisseur gekürt. Bester Film wurde jedoch das Sklavendrama „12 Years a Slave“, und auch die Darstellerpreise gingen an die Konkurrenz.

Oscars 2014: Die Gewinner

Bester Film: 12 Years a Slave (Regie: Steve McQueen, Produzenten: Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Steve McQueen, Anthony Katagas)

Regie: Alfonso Cuarón („Gravity)

Hauptdarsteller: Matthew McConaughey (Dallas Buyers Club)

Hauptdarstellerin: Cate Blanchett (Blue Jasmine)

Nebendarstellerin: Lupita Nyong‘o (12 Years a Slave)

Nebendarsteller: Jared Leto (Dallas Buyers Club)

Nicht-englischsprachiger Film: La Grande Bellezza (Italien, Regie: Paolo Sorrentino)

Kamera: Emmanuel Lubezki (Gravity)

Original-Drehbuch: Spike Jonze (Her)

Adaptiertes Drehbuch: John Ridley (12 Years a Slave)

Schnitt: Alfonso Cuarón and Mark Sanger (Gravity)

Filmmusik: Steven Price (Gravity)

Filmsong: „Let It Go“ von Kristen Anderson-Lopez and Robert Lopez (Die Eiskönigin - Völlig unverfroren)

Produktionsdesign: Catherine Martin und Beverley Dunn (Der große Gatsby)

Tonschnitt: Glenn Freemantle (Gravity)

Tonmischung: Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro (Gravity)

Spezialeffekte: Tim Webber, Chris Lawrence, David Shirk und Neil Corbould (Gravity)

Animationsfilm: Die Eiskönigin - Völlig unverfroren“ (Regie: Chris Buck und Jennifer Lee)

Animations-Kurzfilm: Mr. Hublot (Regie: Laurent Witz und Alexandre Espigares)

Dokumentarfilm: 20 Feet from Stardom (Regie: Morgan Neville, Gil Friesen und Caitrin Rogers)

Dokumentar-Kurzfilm: The Lady in Number 6: Music Saved My Life (Regie: Malcolm Clarke und Nicholas Reed)

„Gravity“ konnte demnach vornehmlich in den technischen Kategorien wie Spezialeffekte und Schnitt triumphieren. Bei den begehrten Darstellerkategorien kam es stattdessen im wesentlichen zu Favoritensiegen: Cate Blanchett konnte für ihre Rolle der gefallenen Society-Lady in Woody Allens „Blue Jasmine“ erwartungsgemäß die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für sich entscheiden. Matthew McConaughey wurde für seinen Part eines HIV-infizierten Cowboys im Aidsdrama „Dallas Buyers Club“ belohnt, für den er mehr als 20 Kilogramm abgenommen hatte.

Auch in der Nebendarsteller-Sparte zählte „Dallas Buyers Club“ zu den Gewinnern, wurde doch Jared Leto als Transsexueller von den Academy-Mitgliedern zum Sieger gekürt. Eine kleine Überraschung war allenfalls, dass die aus Afrika stammende Debütantin Lupita Nyong‘o für ihre Leistung in „12 Years a Slave“ als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde und damit unter anderen die hoch gehandelte Jennifer Lawrence aus „American Hustle“ deklassierte.

„American Hustle“ geht leer aus, Rekord für Italien

Überhaupt war „American Hustle“ der große Verlierer des Abends. Das von Kritikern gelobte Gangsterverwirrspiel von David O. Russell konnte von seinen zehn Nominierungen sage und schreibe null in einen Oscar ummünzen. „12 Years a Slave“ des britischen Regisseurs Steve McQueen, der unter anderem von Brad Pitt produziert wurde, entschied bei neun Nominierungen immerhin in drei Kategorien das Rennen für sich, während „Dallas Buyers Club“ von sechs Nennungen ebenfalls drei in eine Trophäe verwandeln konnte. Spike Jonzes ungewöhnliche Liebesgeschichte „Her“, die fünf Mal im Rennen war, gewann schließlich in der Sparte Bestes Originaldrehbuch.

Einen einsamen Rekord stellte indes Italien auf: Durch die Wahl von Paolo Sorrentinos „La Grande Bellezza“ zum besten nicht-englischsprachigen Film, setzte sich das Land in der Allzeitwertung beim Auslandsoscar klar von Frankreich ab. Insgesamt elf Auszeichnungen erhielt Italien in dieser Kategorie, während Frankreich hier „nur“ auf neun kommt.

Ernste Töne bei den Danksagungen

Ihren ersten Oscar für einen animierten Langfilm erhielten indes die Walt Disney Animation Studios, deren Hit „Frozen“ auch den Preis für den besten Song abräumte. Als bester Dokumentarfilm konnte das Backgroundsängerporträt „20 Feet from Stardom“ den hochgelobten „The Act of Killing“ über den Massenmord in Indonesien ausstechen. Seiner Favoritenrolle gerecht wurde indes die Kurzdokumentation „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“ über Alice Herz-Sommer. Die ältestes bekannte Holocaust-Überlebende war vor einer Woche im Alter von 110 Jahren verstorben.

Neben den üblichen Danksagungen an Familie, Crew und Gott wurden bei den Oscar-Reden auch ernste Töne angeschlagen. Jared Leto widmete seinen Preis all den Träumern „da draußen, in der Ukraine und in Venezuela“ und „jenen 36 Millionen Menschen, die den Kampf gegen Aids verloren haben“, Regisseur Steve McQueen indes „allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben, und den 20 Millionen Menschen, die noch heute darunter leiden“. Cate Blanchett würdigte in ihrer Rede „diejenigen in der Filmindustrie, die immer noch der Idee anhängen, dass Filme mit Frauen im Mittelpunkt vom Publikum gesehen werden und auch tatsächlich Geld verdienen“, während McConaughey das stetige Streben nach Verbesserung in den Mittelpunkt stellte - sei sein größter Held doch stets „ich in zehn Jahren“.

Gesangseinlagen nur von Musikern

Bei der Gala selbst wurde heuer auf Schlichtheit gesetzt und auf einen spektakulären Eröffnungsauftritt oder pausenfüllende Gesangsnummern und Musical-Medleys verzichtet. Kurze Filmcollagen widmeten sich realen und animierten „Helden“ des Kinos, Popsängerin Pink - und nicht die Kinder von Judy Garland, wie im Vorfeld spekuliert - zollte dem Klassiker „Der Zauberer von Oz“ mit ihrer Interpretation von „Somewhere over the rainbow“ Tribut und Bette Midler sang im Anschluss an die traditionelle Würdigung der kürzlich verstorbenen Künstler ihren Hit „Wind Beneath my Wings“. Die Nominierten für den „Besten Song“, u.a. U2 mit „Ordinary Love“ aus „Mandela: Long Walk to Freedom“ und Pharrell Williams mit buntem Auftritt seines Hits „Happy“ (aus „Despicable Me 2“) rundeten das musikalische Programm ab.

Gastgeberin Ellen DeGeneres, die die Verleihung bereits 2007 moderiert hatte, holte zwar in ihrem Eröffnungs-Monolog zum üblichen Rundumschlag auf Kosten der Nominierten aus. „Ihr habt zusammen schon über 1400 Filme gemacht - und seid zusammen 6 Jahre aufs College gegangen“, beschied die 56-Jährige ihren Kollegen, die sie wiederholt im Zuschauerraum begrüßte. Dort verteilte sie Pizza unter den Stars, schenkte Bradley Cooper nach der verlorenen Nebendarsteller-Kategorie ein Lotterieticket als Trostpreis und knipste mit u.a. Meryl Streep, Brad Pitt und Angelina Jolie ein „Selfie“ (Selbstporträt), das daraufhin auf Twitter in nicht mal einer Stunde mehr als 1,3 Millionen Mal geteilt wurde. Hat ihr Vorgänger Seth MacFarlane 2013 noch weibliche Nacktheit im Film mit einer eigenen Gesangseinlage angepriesen, wagte Ellen DeGeneres mit einer Anspielung auf Jonah Hills Masturbationsszene in „The Wolf of Wall Street“ nur einen Witz unter der Gürtellinie. „Du hast uns etwas gezeigt, das ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen habe“, so die lesbische Komikerin. (APA)

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Freudensprung von Steve McQueen: Der Brite schreibt Oscar-Geschichte. Er ist der erste schwarze Filmemacher, dessen Werk mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde.

© REUTERS/LUCY NICHOLSON

Der Rote Teppich vor dem Dolby Theatre war mit einem durchsichtigen Zelt überdacht. Bis kurz vor der Oscar-Gala regnete es in Los Angeles nämlich in Strömen.

© Tom Lew/©A.M.P.A.S.)

Spaß auf dem Roten Teppich: Schauspieler Benedict Cumberbatch schmuggelte sich auf das Foto von U2.

© REUTERS/MIKE BLAKE

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