Innenpolitik

Adoptionsrecht für Homosexuelle: Rupprechter bekräftigt Vorstoß

Minister Andrä Rupprechter kann sich ein Adoptionsrecht für Homosexuelle vorstellen. Seine Partei will lieber über tiefgreifendere Reformen diskutieren, sagt ihr Generalsekretär.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien, Brüssel – Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter kam der Frage nach der Adoption durch Homosexuelle am Montag auch in Brüssel nicht aus. Er akzeptiere die anders lautende Parteilinie, wolle aber einen „offenen Zugang“ und lehne Diskussionsverweigerung ab, sagte Rupprechter am Rande des EU-Umweltministerrates. Seine Partei, die ÖVP, ist mit diesen Aussagen dennoch nicht glücklich. Obmann Michael Spindelegger und Generalsekretär Gernot Blümel haben erst am Freitag einen „Evolutionsprozess“ für die Partei angekündigt. Und den Beginn dieses Prozesses will die Parteispitze nicht durch eine Homosexuellen-Debatte überlagert sehen. Zu tief sitzen die Erinnerungen an den Perspektivenprozess von Ex-Obmann Josef Pröll.

Zwar wollte Rupprechter in Sachen Adoptionsrecht nicht von einer Forderung sprechen, er habe lediglich einem Interviewer geantwortet. Inhaltlich blieb der Minister gestern aber dabei: Er habe in seiner Umgebung „nicht wenige homosexuelle Menschen, die ich kenne und sehr lieb habe. Ich bin nicht bereit, diese außen vorzulassen oder auszugrenzen.“ Er kenne auch seit vielen Jahren homosexuelle Partnerschaften, „wo sich Kinder wohl fühlen“.

Einen Widerspruch zu seinem katholischen Glauben sieht Rupprechter nicht. Seinen Kritikern empfahl er, „nachzulesen, was unsere oberste Autorität auf der Erde, in meiner Glaubensgemeinschaft Papst Franziskus, zur Frage der Homosexualität sagt: Wer bin ich, dass ich darüber urteile? Und wenn der Heilige Vater das sagt, gilt das für mich.“

Seine Kritiker, das ist etwa die „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände“, deren Präsident Ex-Staatssekretär Helmut Kukacka gestern meinte, es gebe keine „gesellschaftspolitische Notwendigkeit“ für Adoptionen durch homosexuelle Paare. Denn es gebe „mehr als genug“ Ehepaare und heterosexuelle Partnerschaften, die auf Adoptionskinder warten.

Und auch die ÖVP hat Rupprechter am falschen Fuß erwischt. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagte Generalsekretär Blümel gestern. Das eine sind die Aussagen Rupprechters. Das andere ist der „Evolutionsprozess“, mit dessen Hilfe sich die ÖVP bis zum Parteitag im Frühjahr 2015 weiterentwickeln will.

„Es geht dabei um Grundsätze und nicht um spezielle Einzelfragen“, erläuterte Blümel. Das betreffe das Parteiprogramm mit seinen Grundwerten genauso wie die Strukturen der ÖVP mit ihren Bünden und Landesorganisationen. Wie dieser Prozess ablaufen soll, will Blümel beim Parteivorstand am 14. März vorstellen. Parallel dazu versucht die ÖVP auch, die im Parteistatut vorgesehenen „Fachausschüsse“ wiederzubeleben. Unter Vorsitz der jeweiligen Bereichssprecher sollen dort inhaltliche Fragen diskutiert werden.

In die Diskussion eingestiegen sind jedenfalls die anderen Parteien. Grüne und SPÖ begrüßen die Aussagen Rupprechters. Die FPÖ lehnt sie ab.

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