Krise in Ukraine treibt Anleger in „sicheren Hafen“ Österreich

Der Bund nahm heute wie geplant 1,1 Milliarden Euro frisches Kapital auf. Laut der Chefin der Bundesfinanzierungsagentur war die hohe Nachfrage nach sicheren Assets an den Zinssätzen spürbar.

Wien - Die Republik Österreich hat heute, Dienstag, auf dem internationalen Kapitalmarkt zu relativ günstigen Konditionen wie geplant 1,1 Mrd. Euro aufgenommen. Die Auktion sei sehr gut verlaufen, die Nachfrage nach beiden aufgestockten Bundesanleihen sei sehr gut gewesen, sagte die Chefin der Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA, Martha Oberndorfer zur APA.

Die heutige Auktion habe insbesondere die aktuelle Marktsituation im Zusammenhang mit dem Thema Ukraine widergespiegelt. „Die Nachfrage nach besonders sicheren Assets hat sich deutlich erhöht“, so Oberndorfer. Es sei Flucht in die Qualität festzustellen. „Wir haben es an den Zinssätzen gespürt“, meinte die ÖBFA-Chefin. Auch die jüngste Verbesserung des Ratingausblicks für Österreich durch Moody‘s sei eine „gern gesehene Nachricht“ gewesen und unterstreiche das hohe „standing“ der Republik.

Für die Aufstockung einer knapp fünfjährige Emission um 660 Mio. Euro konnte heute ein durchschnittlicher Zinssatz von 0,736 Prozent erzielt werden. Das waren um 45 Basispunkte weniger als bei Begebung der Anleihe im September 2013. Damals betrug der Zinssatz 1,181 Prozent.

Österreich hat sehr geringes Refinanzierungsrisiko

Für die 2023 fällige zehnjährige Emission, die heute um 550 Mio. Euro aufgestockt wurde, konnte heute ein Zinssatz von 1,851 Prozent erzielt werden. Im September 2013 waren es noch 2,5 Prozent. „Wir haben insbesondere seit Jahresbeginn einen Zinsrückgang um 40 Basispunkte gesehen“, sagte Oberndorfer.

Österreich habe im internationalen Vergleich ein sehr geringes Refinanzierungsrisiko, führte die ÖBFA-Chefin aus. Die Finanzschulden des Bundes hätten per Ende Februar eine Restlaufzeit von 8,7 Jahren. Damit habe sich der Bund auch die tiefen Zinsen für relativ lange Zeit gesichert.

Die Finanzschulden des Bundes sind seit Jahresbeginn bis Ende Februar nur um knapp 1 Mrd. auf 194,9 Mrd. Euro gestiegen. Der größte Teil entfiel mit 174,2 Mrd. Euro auf Bundesanleihen. 115 Mrd. Euro der Schuldpapiere haben eine Restlaufzeit von über 5 Jahren. Die durchschnittliche Nominalverzinsung liegt bei 3,70 Prozent, effektiv sind es 3,42 Prozent. (APA)


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