Das Meer droht Kulturgut zu verschlucken

Innsbruck – Die Freiheitsstatue in New York, die Oper von Sydney, die Altstadt von St. Petersburg, der Tower von London, Venedig sowieso, ab...

Innsbruck –Die Freiheitsstatue in New York, die Oper von Sydney, die Altstadt von St. Petersburg, der Tower von London, Venedig sowieso, aber auch der Platz, auf dem Pisas Schiefer Turm steht. All diese Stätten des Unesco-Weltkulturerbes und 130 weitere sind vom Untergang bedroht – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn diese 136 von rund 700 Kulturdenkmälern liegen des Klimawandels wegen auf lange Sicht gesehen unter dem Meeresspiegel. Das haben der Geophysiker Ben Marzeion von der Uni Innsbruck und Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung berechnet.

Dafür haben die Forscher den Anstieg des Meeresspiegels am Computer modelliert. Steigt die globale Durchschnittstemperatur auf der Erde um ein Grad Celsius, seien weltweit 40 Kulturstätten unmittelbar vom Wasser bedroht. Steigt die Temperatur um drei Grad, dann ist laut Marzeion rund ein Fünftel des Weltkulturerbes langfristig gefährdet. Viele der Stätten seien aber schon heute durch Sturmfluten bedroht, ergänzt er.

Um die Prognosen zuverlässiger zu gestalten, haben die Wissenschafter auch den regional unterschiedlichen Anstieg der Meere berücksichtigt. „Wenn in der Antarktis oder in Grönland viel Eis abschmilzt, beeinflusst das auch das Gravitationsfeld der Erde“, erklärt Marzeion: Das Wasser verteile sich und damit werde das Gravitationsfeld in Grönland bzw. in der Antarktis schwächer, weit davon entfernt aber stärker. Deshalb sei der Anstieg des Meeresspiegels in den Tropen und in Südostasien größer.

Mit der Herausstellung der Kulturdenkmäler haben die Forscher aber auch deutlichmachen wollen, wie viel Siedlungsraum vom steigenden Meeresspiegel betroffen ist. „Bei einer globalen Erwärmung um drei Grad könnten rund zwölf Länder mehr als die Hälfte ihrer Landfläche verlieren, bei rund 30 Ländern weltweit wäre es ein Zehntel“, warnt Levermann.

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Sieben Prozent der Weltbevölkerung lebten in Regionen, die bei drei Grad Temperaturanstieg unter dem Meeresspiegel lägen. 600 Millionen Menschen müssten sich dann eine neue Heimat suchen – sofern keine passiven Gegenmaßnahmen getroffen werden. „Ein Viertel der Niederlande liegt heute schon unterhalb des Meeresspiegels“, erinnert Marzeion. Das sei aber eingedeicht. (sta)


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