Schwarze Serie auf Tirols Pisten

Acht Tage, fünf Tote: Die tragische Häufung von tödlichen Skiunfällen wirkt sich auch auf die Gesamt- bilanz aus. Bislang starben in diesem Winter ein Drittel mehr Skifahrer als noch in der vergangenen Saison.

Von Katharina Zierl und Christoph Mair

Innsbruck –16 Menschen kamen in diesem Winter auf Tirols Skipisten bereits ums Leben. 16 tragische Schicksale, 16 Mal die Frage nach dem Warum. Allein in der vergangenen Woche ereilte Angehörige fast täglich die traurige Botschaft über einen tragischen, bei einem Skiunfall in Tirol zu beklagenden Verlust. Fünf Menschen starben in acht Tagen. Zuletzt erlag ein Deutscher am Montag in der Innsbrucker Klinik nach einem Skiunfall am Freitag in Hochgurgl seinen schweren Verletzungen.

„Fünf Tote in acht Tagen ist natürlich eine ungewöhnliche Häufung“, sagt Norbert Zobl, Leiter der Alpinpolizei. Eine Häufung, die sich auch auf die Gesamtbilanz auswirkt. „Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten wir zehn Tote auf Skipisten – also um rund ein Drittel weniger als heuer. In der gesamten vergangenen Saison 15. Da sind wir jetzt schon drüber“, betont Zobl. Er sei vor der tragischen Woche mit fünf Toten selbst „überrascht“ gewesen, dass vergleichsweise wenig passiert sei: „Wenn so wenig Schnee liegt, ist die Gefahr natürlich höher, weil Skifahrer, die von der Piste abkommen, nicht im Tiefschnee landen, sondern gleich hart aufprallen.“

Auch das Wetter spiele laut Zobl eine Rolle: „Bislang waren viele Wochenenden schlecht, es waren weniger unterwegs. Jetzt passen die Rahmenbedingungen und es passiert auch mehr.“ Auf einer gut präparierten Piste sei das Risiko naturgemäß höher, betont der Leiter der Alpinpolizei: „Die Skifahrer sind dann gleich mit relativ hohem Tempo unterwegs.“

Andreas Würtele, Leiter des Kuratoriums für alpine Sicherheit, spricht angesichts der fünf Todesfälle in kurzer Zeit von „purem Zufall“. In ähnlich schneearmen Wintern habe es ähnliche Häufungen gegeben. Die Zahl an Verletzten sei im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen: „In Tirol hatten wir im Vergleichszeitraum der vergangenen Saison 2185, in diesem Winter bislang 1777 Verletzte.“ Inzwischen seien rund 95 Prozent aller Skifahrer mit Helm unterwegs. Im Hinblick auf die Toten müsse man außerdem bedenken, „dass bei fünf von den 16 Fällen Herz-Kreislauf-Versagen zum Tod führte; also auch überall anders passieren hätte können“, sagt Würtele.

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Angesichts von fünf Toten in kurzer Zeit spricht auch Franz Hörl, als Fachgruppenobmann oberster Seilbahner des Landes, von einer Tragödie. Gerade die fatalen Kollisionen mit Schneekanonen seien für verantwortungsvolle Betriebsleiter sicher ein Anlass, „die eigenen Absicherungsmaßnahmen im Skigebiet nochmals unter die Lupe zu nehmen“.

Allerdings sei dem Aufprallschutz mit Polstern Grenzen gesetzt. Beim Unfall am Arlberg am Montag der Vorwoche etwa sei der junge Skifahrer aus einer Höhe von 30 Metern auf den schwenkbaren Metallarm einer Schneekanone gefallen, berichtet Hörl.

Die aktuelle Häufung von schweren Skiunfällen führt Franz Hörl auf eine Kombination mehrerer Faktoren zurück: Es sei aktuell Hochsaison mit vielen Sportlern auf den Pisten und gleichzeitig einer (in Nordtirol) dürftigen Schneelage, gerade außerhalb der Pisten. Das würden Wintersportler immer wieder unterschätzen. Überschätzt würden immer wieder die eigenen Fähigkeiten, ruft Hörl einmal mehr die Eigenverantwortung in Erinnerung.

Bei der Analyse der Unfallursachen kommt auch Michael Blauth als Direktor der Innsbrucker Unfallchirurgie zu einem ähnlichen Schluss wie Hörl. Für einen schneearmen Winter seien schwerere Verletzungen mit höherer Gewalteinwirkung typisch, sagt Blauth.

Kollisionen mit unbeweglichen Gegenständen seien durchaus mit Motorradunfällen zu vergleichen. Insgesamt nimmt der Direktor der Unfallchirurgie in der heurigen Saison weniger Verletzungen wahr. Im Februar sei eine Spitze zu verzeichnen gewesen, die bis jetzt anhalte. Längere OP-Wartezeiten für Unfallopfer gebe es dennoch nicht.


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