Paralympics 2014

13 soll für Österreich in Sotschi zur Glückszahl werden

Mit einem 13-köpfigen Aufgebot startet Österreich bei den Paralympics in Sotschi seine Medaillenjagd. Vor allem bei den Alpinen ist der rot-weiß-rote Kreis der Sieganwärter groß.

Wien - Im Schatten der Ukraine-Krise werden am Freitag (17.00 Uhr MEZ) in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi die XI. Paralympischen Winterspiele eröffnet. Für Österreich soll die 13 zur Glückszahl werden, denn so groß ist das kleine aber schlagkräftige Team, das von Samstag bis 16. März in Krasnaja Poljana um Medaillen kämpft. Richten sollen es vor allem die gleich elf Alpinskifahrer im ÖPC-Team.

Mehr als 700 Sportler- und Sportlerinnen aus 45 Nationen kämpfen an neun Tagen und in sechs Sportarten in drei Kategorien (stehend, sitzend, sehbehindert) um Medaillen. Die Hoffnungen von Österreichs Alpinen tragen auf den gleichen Pisten, auf denen vor zwei bis vier Wochen Matthias Mayer und Co. geglänzt hatten, vor allem Matthias Lanzinger, Markus Salcher und Claudia Lösch. Der ehemalige Weltcup-Teilnehmer Lanzinger, der nach seinem Sturz 2008 in Kvitfjell und nachfolgender Unterschenkel-Amputation sein Paralympics-Debüt gibt, hat ebenso wie Salcher im Weltcup bewiesen, dass er zu den Mitfavoriten gehört.

In der ewigen Medaillenwertung auf Platz drei

„Praktisch jeder unserer Starter war im Weltcup auf dem Podest. Wir fahren daher in jeder Disziplin um Medaillen mit, es ist einiges zu erwarten“, weiß auch Cheftrainer Manuel Hujara, dass die Latte hoch liegt.

Elf Medaillen hat Österreichs Team vor vier Jahren bei den Vancouver-Paralympics geholt. Das war die bisher schwächste Ausbeute Österreichs. In der ewigen Medaillenwertung jedoch rangiert Österreich mit 314 Stück Edelmetall, davon 102 Goldene, hinter Norwegen (134 Gold) und Deutschland (121) und vor den USA (96) immer noch auf Platz drei. Es war aber auch ein Zeichen der extremen Professionalisierung, die im Behindertensport gerade stattfindet.

„Man hat sich entschlossen, die Latte hoch zu legen und nur noch Medaillen-Kandidaten mitzunehmen“, erklärte Hujara die Zusammensetzung des Sotschi-Teams. Die Mannschaft profitiert auch vom Know-how des Skiverbandes und besteht inklusive der Vierfach-Weltmeisterin und Doppel-Titelverteidigerin Lösch aus elf Alpinen, einem Nordischen und einem Para-Snowboarder. Lösch als dreifache Behindertensportlerin des Jahres ist nach Verletzung und Rücktritt von Danja Haslacher die einzige ÖPC-Dame vor Ort. Die von vier Tonnen Übergepäck begleitete ÖPC-Mission kostet 790.000 Euro, die je zur Hälfte mit öffentlichen und Sponsoren-Geldern finanziert wird.

Vor allem Lanzinger geht mit vielen Emotionen an den Start seiner ersten und womöglich auch letzten Paralympics. „Es hat mich nicht los gelassen und ich möchte mir hier meinen Kindheitstraum erfüllen“, hat der 33-jährige Salzburger daher große Erwartungen.

Der frühere Weltcup-Teilnehmer hat mit seiner Entscheidung, nochmals wettkampfmäßig Skirennen zu fahren, dem Behindertensport in Österreich mediale Aufmerksamkeit verschafft. Eine „gemähte Wiese“ fand er deshalb aber nicht vor: „Ich musste zu meinem Leidwesen erkennen, dass die Konkurrenz extrem stark und dicht ist. Gott sei Dank ist Markus aus dem eigenen Team mein stärkster Rivale.“

Während Lanzinger in der Vorbereitung alles den Sotschi-Paralympics untergeordnet hat, hat der elf Jahre jüngere und von Geburt an halbseitig gelähmte Salcher den Weltcup erst ganz zum Schluss an Alexej Bugajew verloren. Der Russe ist einer aussichtsreichen Vertreter des Gastgeberlandes, das wie bei Olympia auch nach den Paralympics als erfolgreichste Nation dastehen will.

Para-Snowboarden ist in Sotschi erstmals dabei, ins Alpin-Programm eingebettet und vorerst nur für Menschen mit Behinderung unter der Hüfte offen. Der Mödlinger HTL-Lehrer Georg Schwab (48) vertritt Österreich im Snowboard ebenso als „Solist“ wie Michael Kurz (40) im Langlauf und Biathlon.

Erfolgreichste Paralympics 1984 in Innsbruck

Österreich hat an allen Winter-Paralympics seit dem Beginn 1976 in Örnsköldsvik teilgenommen. Am erfolgreichsten war man bei den beiden Heimspielen 1984 und 1988 in Innsbruck mit 34 bzw. 20 Goldenen. Alle 15 ÖPC-Goldmedaillen seit 2002 kommen aus dem Alpinbereich, die letzte nichtalpine Medaille wurde 1988 im Langlauf gewonnen. Bisher hat Österreich Gold im Alpinski (88), Langlauf (10) und im nicht mehr im Programm aufscheinenden Ice Sledge Racing (4) gewonnen.

Bemerkenswert: Bei den Behindertensportlern hat Österreich mit 102 Goldenen im Winter weniger gewonnen als im Sommer (110). Allerdings wurden im Sommer bereits 14-mal Medaillen vergeben, im Winter erst zehnmal. (APA)

Österreichs Aufgebot bei den Paralympics 2014

SKI ALPIN - Herren (10)

Philipp Bonadimann (V/33 J., 24.7.1980, Kl. TH11/Querschnittlähmung) Bewerbe: Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

Dietmar Dorn (V/34, 30.6.1979, Kl. LW11/Querschnittlähmung) Bewerbe: Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

Martin Falch (T/46, 24.5.1967, Kl. LW4/Unterschenkelamputation links) Bewerbe: Slalom, Riesentorlauf

Thomas Grochar (K/20, 23.11.1993, Kl. LW2/Dysmelie) Bewerbe: Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

Andreas Kapfinger (T/36, 17.9.1977, Kl. LW10-1/Querschnittlähmung) Bewerb: Slalom

Matthias Lanzinger (S/33, 8.12.1980, Kl. LW4/Unterschenkelamputation) Bewerbe: Abfahrt, Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

Roman Rabl (T/22, 11.6.1991, Kl. LW12-1/Querschnittlähmung) Bewerbe: Abfahrt, Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

Markus Salcher (K/22, 1.6.1991, Kl. LW9-1/Hemiparese rechts) Bewerbe: Abfahrt, Super-G, Super-Kombination, Riesentorlauf

Reinhold Sampl (S/41, 24.11.1972, Kl. LW11/Querschnittlähmung) Bewerbe: Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf

Martin Würz (NÖ/20, 10.8.1993, Kl. LW6/8-2/Amputation, linke Hand) Bewerbe: Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

SKI ALPIN - Damen

Claudia Lösch (NÖ/25, 19.10.1988, Kl. LW11/Querschittlähmung) Bewerbe: Abfahrt, Super-G, Super-Kombination, Slalom, Riesentorlauf

SNOWBOARD

Georg Schwab (N/48, 30.10.1965, LW11/Inkompletter Querschnitt) Bewerb: Cross

SKI NORDISCH (Biathlon, Langlauf)

Michael Kurz (T/40, 10.5.1973, Kl LW9/inkomplette Querschnittlähmung-Tetraparese) Bewerbe: Biathlon 7,5, 12, 15 km und Langlauf 1, 10, 15, 20 km

Verwandte Themen