Wohnen in zweiter Reihe

Es gehört eine ordentliche Portion Gelassenheit und Mut dazu, sich ein altes Haus in einem städtischen Innenhof anzueignen und es einfach hinzunehmen, von Hunderten Nachbarn eingekreist zu sein.

Von hohen Häusern und vielen Nachbarn umgeben, wirkt das Haus ganz selbstverständlich und eigenständig im Innenhof.
© Caterina Molzer-Sauper

Von Caterina Molzer-Sauper

Innsbruck –Das klassisch-zeitlose Wohnhaus, nach den Entwürfen des Architekten Alfons Todeschini in den 20er-Jahren erbaut, stand von Seiten der Stadt Innsbruck zum Verkauf. Das Grundstück erwies sich als zu klein, um das Interesse von Bauträgern zu erwecken und so entschied sich eine vierköpfige Familie aus Innsbruck schließlich, sich dieses verborgenen Juwels im Hof anzunehmen und hier eine kleine Wohnoase zu schaffen.

„Wir sehen die Investition in dieses Haus neben der hohen Wohnqualität mitten in der Stadt auch als Altersvorsorge für unsere Kinder. Das Untergeschoß können wir aus Investmentgründen auch vermieten.“ Die großzügige Kellererweiterung, die vor allem als Bibliothek für die unzähligen Bücher der Familie dient, soll den Wert der Immobilie zusätzlich steigern.

Die Bauherren verspürten seit jeher eine starke Affinität zu Qualität und Charakter alter Gemäuer. Das Ehepaar entschied sich dafür, Architekt Daniel Fügenschuh mit der Planung und Umsetzung dieses speziellen Projektes zu betrauen, da dieser schon einige Erfahrung im sensiblen Sanieren bestehender Bausubstanz vorzuweisen hat. „Mein Ziel war es, die Bauherrenwünsche betreffend den Bestand so zu verwirklichen, dass das Stöckelgebäude als moderne Architektur in Erscheinung tritt, ohne dabei an Charme zu verlieren“, so der Architekt.

Gemeinsam wagte man Schritt um Schritt, um die bestmögliche Lösung für die zukünftigen Bewohner zu erzielen. Die schmale Einfahrt in den Hof machte die Suche nach den notwendigen Professionisten nicht gerade leicht.

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Die thermische Sanierung wurde mit Bedacht so umgesetzt, dass die charakteristische Putzfassade erhalten bleiben konnte. Der erweiterte Keller und das Dach wurden jedoch hochwertig gedämmt. „Die Bestandsmauern sind fast 100 Jahre alt und werden so auch ohne Weiteres nochmals 100 Jahre überstehen!“, ist Fügenschuh überzeugt. Bei den Fenstern wurde ein ähnliches Konzept verfolgt. Die gestaltgebenden Kastenfenster wurden saniert und mit einer Doppelverglasung aufgewertet. Thermisch wie optisch weniger attraktive Fenster wurden durch neue Holzfenster ersetzt.

Mit großer Behutsamkeit wurde hier Erhaltenswertes renoviert und Neues hinzugefügt. Böden, Türen, Beschläge und Zwischenwände der mittleren Ebene blieben bestehen. Die neue Treppe verbindet diese mit dem völlig neu gestalteten Dachgeschoß. Der Übergang zwischen Alt und Neu ist fließend und auf den ersten Blick kaum spürbar. Oben angekommen, öffnet sich ein großzügiger Raum mit Ausblicken und Lichtöffnungen in alle Himmelsrichtungen. Wohnen, abgetrenntes Arbeiten, Kochen und Essen sind hier nebeneinander gut möglich. Durch einen Terrasseneinschnitt in der Mitte des Pyramidendaches wird die Belichtung über den Tagesverlauf am höchsten Punkt in diesen beeindruckenden Wohnraum geleitet.

Zusätzlich zum kleinen Garten rund um das Haus sorgt eine, von unten kaum bemerkbare, Dachterrasse für sonnige Stunden im Kreise von Familie und Freunden.

Dass statt einer Hecke hohe Häuser samt unzähligen Bewohnern das Häuschen umgeben, ist gewöhnungsbedürftig – angesichts der Wohnqualität der Oase in der zweiten Reihe aber bestimmt verschmerzbar.


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