Gegenwind für Kraftwerkspläne

Argumente gegen das Sannakraftwerk kamen beim TT-Forum in Pians am laufenden Band. Bürgermeister Rauchegger hält das Projekt für sinnvoll und machbar. Wildwassersportler sehen ihre Felle davonschwimmen.

Von Helmut Wenzel

Pians –Geht es nach den Plänen der Betreibergesellschaft, könnte das zwischen Wiesberg und Landeck geplante Sannakraftwerk ab 2019 laufen. Hinter der „Wasserkraft Sann­a GmbH“ stehen sieben Anrainergemeinden und der Tiroler Projektentwickler Infr­a. Zudem sollen Energieversorgungsunternehmen (EVU) ins Boot geholt werden.

Das TT-Forum am Mittwochabend im Pianner Gemeindesaal hat allerdings gezeigt, dass die Kraftwerkspläne auf heftige Kritik und Ablehnung stoßen.

Der Sprecher der Pianner Bürgerinitiative, Walter Mathoy, zeigte Sicherheitsbedenken auf. Der Lattenbach, der in Pians in die Sanna mündet, „hat uns wiederholt Muren mit bis zu 50.000 Kubikmeter Geschiebe beschert. Es kommt zum Wasserstau und zu Verklausungen. Mehrmals sind Häuser beschädigt worden.“ Dass ein Kraftwerksbau unter keinen Umständen möglich sei, möchte er nicht behaupten. „Aber da müssten umfassende Schutzbauten errichtet werden.“ Die Infra habe vorgeschlagen, im Falle einer Mure einen Schwall zu erzeugen, der das Geschiebe aus dem Flussbett der Sanna wegschwemmt. Er sei nicht davon überzeugt, dass das funktioniert, sagte Mathoy.

Eine „ganzheitliche und kraftwerkskritische“ Studie zum Projekt hat der Land­ecker Bauingenieur Günter Kramarcsik verfasst. Daraufhin haben ihn die Wildwassersportler zu ihrem Sprecher ernannt. „Mit dem Kraftwerk wird billiger Bandstrom produziert, zu einer Zeit, in der ihn keiner braucht. Ich habe meine Zweifel, ob sich diese Investition überhaupt rechnet.“ Er habe den Verdacht, dass die beteiligten Gemeinden und somit letztlich die Bürger „draufzahlen“. Dass der Kraftwerksbetreiber den Raftern auf Knopfdruck die benötigte Wassermenge liefern soll, könne er nicht nachvollziehen. „Das ist unseren Gästen nicht zumutbar.“

Auf Grundlage des Kriterienkatalogs für Wasserkraft in Tirol habe ihn seinerzeit LHStv. Steixner motiviert, ein Sanna-Projekt zu entwickeln, erläuterte der Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger: „Wir sind an die Infra herangetreten, die ein wirtschaftliches Kraftwerk geplant hat. Ich bin zuversichtlich, dass es umgesetzt werden kann.“

Der Lattenbach bedeut­e laut Experten kein „No-Go“. Wichtig sei für ihr als Bürgermeister, dass sich die Gemeinde an der Betreibergesellschaft beteiligt und mitbestimmen kann. „Wenn das ein Blödsinn wäre, würde ja sofort die Gemeindeaufsicht einschreiten“, schildert­e Rauchegger. Seine im Saal anwesenden Bürgermeisterkollegen der Region hielten sich mit Wortmeldungen zurück.

Die Sanna sei laut Kriterien­katalog des Landes ein zur Stromproduktion gut geeigneter Fluss, erklärte Infra-Projektleiter Hans Bayer. „Daher sind wir auch in Hinblick auf das Genehmigungsverfahren optimistisch.“ Nach seiner Beurteilung schließen sich Stromproduktion und Wildwassersport nicht aus. „Das ist ein wechselseitiges Thema, wobei wir bereit sind, Einschränkungen in Kauf zu nehmen.“ Sollte eine Realisierung nicht möglich sein, „dann verlieren wir Geld“. Bei der Gemeindebeteiligung halte man sich an das Modell, das beim Kraftwerk Stanzertal erfolgreich umgesetzt werde.

Das Sannakraftwerk und weitere geplante Ausleitungskraftwerke in den Bezirk Land­eck und Imst würden ein­e existenzielle Bedrohung für den Wildwassersport bedeuten, erläuterte Marcel Pachler, Obmann des Tirole­r Raftingverbands. „Unsere Outdoorfirmen beschäftigen 600 Mitarbeiter von Mai bis Oktober. In den Rafting­booten befördern wir mehr als 110.000 Gäste jährlich.“ Der langjährige Gemeindemandatar und Outdoorunternehmer Lois Amprosi aus Oetz hält das Kraftwerksprojekt für un­seriös, „weil die Betreiber mit fiktiven Zahlen operieren“.

Ein heftiger Appell an die Infra kam vom Pianner Gemeindebürger Franz Schönsleben: „Investieren Sie null Euro in dieses Projekt, das von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird.“


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