Heimliche Aufnahmen stellen Sarkozy bloß

Der ehemalige Staatspräsident geht in die Offensive und klagt. Die konservative UMP wurde von diesem Skandal schwer erschüttert.

Paris –Die konservative Oppositionspartei UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy in Frankreich wird von einem neuen Skandal erschüttert: Der enge Sarkozy-Berater Patrick Buisson nahm – offenbar Hunderte Stunden – Gespräche des damaligen Staatschefs heimlich auf einem Diktiergerät auf, die nun Medien zugespielt worden sind.

Sarkozy, dem ein geplantes Comeback nachgesagt wird, und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy wehren sich mit einer Anzeige. Es werde bald ein Antrag auf einstweilige Verfügung wegen Verletzung der Privatsphäre eingebracht, teilten die Anwälte von Sarkozy und seiner Frau am Donnerstag in Paris mit. Sarkozy und seine Frau könnten nicht hinnehmen, „dass Äußerungen, die im privaten Rahmen getätigt wurden, aufgenommen wurden und ohne ihr Einverständnis verbreitet werden“, hoben die Anwälte hervor. Der Schutz des Geheimnisses privater Gespräche sei „eines der Fundamente unserer demokratischen Gesellschaft“.

Der Skandal selbst trifft die Konservativen in Mark und Bein. In der UMP löste er einen Sturm der Entrüstung aus, auch weil Sarkozy mit abfälligen Bemerkungen über Parteifreunde zitiert wurde. Die Enthüllung erfolgte wenige Tage nach einer Finanzaffäre um UMP-Chef Jean-François Cope und rund drei Wochen vor den französischen Kommunalwahlen.

Der einstige Sarkozy-Berater Buisson, der früher der rechtsextremen Front National nahestand und für den Rechtsruck in Sarkozys Wahlkampf 2012 verantwortlich gemacht wird, räumte die Existenz der Aufzeichnungen ein. Es seien „Arbeitsdokumente“, erklärte sein Anwalt Gilles-William Goldnadel. Buisson­ habe keine schriftlichen Notizen machen können, um die nächsten Treffen vorzubereiten. Laut dem einstigen Redenschreiber und Vertrauten von Sarkozy, Henri Guaino, hat der Ex-Präsident „das Gefühl, verraten worden zu sein“. Es gebe offenbar „Hunderte Stunden Aufzeichnungen, das ist krank“, erklärte Guaino. UMP-Fraktionschef Christian Jacob sprach von „verabscheuungswürdigen Methoden“.

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Die regierenden Sozialisten erwägen, die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Parlament zu beantragen, falls Sarkozy keine Klage einreicht. Es gehe um eine „Gefährdung der Funktionsweise des Staates und der Demokratie“.

Das Enthüllungsblatt Le Canard Enchaîné und der Internetdienst Atlantico.fr hatten am Mittwoch Auszüge der Aufzeichnungen veröffentlicht. Dabei geht es insbesondere um ein Treffen kurz vor einer Regierungsumbildung im Februar 2011. Darin wird Sarkozy unter anderem mit Kritik an seinem Innenminister Brice Hortefeux zitiert, der später sein Ressort verlor. „Brice sagt, das Gefühl der Unsicherheit sei zurückgegangen, alle Studien zeigen, dass das nicht wahr ist“, stellte Sarkozy demnach fest.

Buisson versicherte in einer Stellungnahme, er habe die meisten Aufzeichnungen gelöscht – „außer offenbar einigen, die ihm gestohlen worden waren“ und von denen derzeit „pervers“ Gebrauch gemacht werde. (AFP, APA)


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