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Elektrotankstelle Tempelhof

VW bewirbt den e-Golf mit einer Reichweite von 190 Kilometern bei voll geladenem Lithium-Ionen-Akku.Foto: Hersteller
© Volkswagen AG

Auf dem Gelände des Berliner Flughafens ließ VW seine e-Flotte aufmarschieren. XL1, e-Up, der Neuling e-Golf als Weltpremiere, der Vorgriff auf den kommenden Golf GTE.

Von Peter Urbanek

Berlin –Immer wenn Volkswagen das Erfolgsmodell Golf aufs Podium stellt, wird ein spannendes Thema kommuniziert. Ein Fahrzeug wie den Golf im Portfolio bedeutet nicht nur, schnelle Variationen für gewisse Fanklassen bereit zu haben, sondern auch die Umweltfreunde erwarten, dem Zeitgeist folgen, einen Lösungsvorschlag, der Kompetenz des Hauses folgen. Versprochen – gehalten, im November 2010 konnte die Tiroler Tageszeitung in Wolfsburg einen Prototypen des Elektro-Golfs fahren. Damals natürlich die aktuelle Version des Golf VI, die Techniker gaben aber ein Versprechen ab: In vier Jahren gibt es eine serienmäßige Ausführung, über vier Monate Verzögerung soll nicht diskutiert werden. Ab sofort kann der e-Golf bestellt und gekauft werden, ab 35.590 Euro, aber der Kunde erhält dafür nicht nur einen sehr gut ausgestatteten Fünftürer, sondern auch ein Paket modernster E-Technologie, dem Stil des Hauses entsprechend.

Zwölf Marken, 315 Modelle kostengünstig zu produzieren, eine schwer lösbare Herausforderung. Doch die Übung ist gelungen, drei Modulsysteme erlauben die Anpassung an alle Erfordernisse der Produktion. Beispiel Golf oder Up: Am Fertigungsband laufen alle Fahrzeuge, die Motorisierung spielt keine Rolle. Exakt nach Plan werden dann Abweichungen von der Basisserie vorgenommen. Der e-Golf bekommt die permanenterregte Synchronmaschine mit 85 kW ( 115 PS), das 1-Gang-Getriebe und vor allem den Lithium-Ionen-Akku, 318 kg schwer, er wird zwischen den Achsen positioniert.

Damit sind mehrere Vorteile auf einen Schlag zusammengefasst: sichere Unterbringung, kaum Beeinträchtigung des Kofferraums, voller Komfort, auch auf den rückwärtigen Sitzplätzen. Wer vor dem e-Golf steht, sieht nur das gewohnte Bild eines in die Mittelklasse gewachsenen Fahrzeuges. Die „inneren Werte“ stehen natürlich nicht auf der Fahrzeugtüre. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h, in 10,4 Sekunden sprintet der e-Golf von null auf 100 km/h. Im Stadtverkehr fast geräuschlos zu beschleunigen, lässt klassische Sportwagen alt aussehen. Ab Herbst wird aber als Sicherheitselement ein künstliches Motorengeräusch eingebaut, angeblich Porsche-Sound. Der Schwachpunkt aller elektrisch angetriebenen Modelle heißt Reichweite. Der e-Golf soll bei voller Aufladung 190 km schaffen, realistisch sind 130–150 km. Das hängt natürlich auch davon ab, ob Heizung, Klimaanlage, Radio in Betrieb sind. Um das Optimale herauszuholen, haben die Techniker durch Reduktion des Luftwiderstandes, 10 %iger Verbesserung des Rollwiderstandes und Spoilern Hilfe geleistet. Der Fahrer selbst hat es aber auch in der Hand, seinen Energieverbrauch sparsamer zu gestalten, mit dem Ziel, mehr Streckenkilometer zu fahren. Die ökonomisch ausgelegten Fahrprofile „Eco“ und „Eco+“ in Verbindung mit über den Schalthebel zu bedienenden Rekuperationsstufen (Rückgewinnung von Energie) D1–D3 und B beinhalten auch einen gewissen Spaßfaktor. Am Mitteldisplay lassen sich die Erfolge der sparsamen Fahrtechnik ablesen.

Jedem e-Golf wird ein Ladekabel für die 230-Volt-Steckdose auf den Weg gegeben, Ladezeit aus dem Netz rund 13 Stunden. Für Garagen bietet VW die sogenannte Wall-Box inklusive Montage um 1100 Euro an, hier reduziert sich die Ladezeit um fünf Stunden. Öffentliche Ladestationen sind leider hierzulande so selten wie Palmen. Die öffentliche Hand feuert zwar die Begeisterung für E-Mobilität an, hauptsächlich ist sie aber mit Geldsuche für Banken beschäftigt.

Der e-Golf ist eine vollwertige Erweiterung der Fahrzeugfamilie. Durch seine Außenmasse hat er gegenüber dem e-Up Nachteile, der kleine Volkswagen ist eher der richtige Stadtflitzer mit Strom. Wer aber konventionellen Antrieb mit immerhin 50 km reiner Elektrofahrstrecke kombinieren will, kann sich auf den Golf GTE Hybrid freuen. GTI-Fahrwerte mit Ladekabel, 204-PS-1,4-Liter-Turbobenziner, 217 km/h Spitze, 1000 km Reichweite – ab Herbst im Handel.

Den VW-Markenbotschafter Hans-Joachim Stuck traf die TT in Berlin. Für die Alpenrallye hat er eine mit Humor und Geschicklichkeit gekoppelte Sonderprüfung in Vorbereitung. Der flotte e-Up wird im Rudel auftreten und zum Wettbewerb einladen. Nicht umsonst ist Volkswagen Hauptsponsor der Rallye. Auch Sport soll in Kitzbühel wieder stärker im Vordergrund stehen. Der Großglockner wartet, heiße Etappen sind angesagt.

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