Hang bewegt die Justiz

Ein Naviser will jetzt beweisen, dass die Gemeinde seit über 20 Jahren über den instabilen Hang Bescheid wusste.

Von Thomas Hörmann

Navis –Wurde die Gemeinde Navis schon in den frühen 90er Jahren über den instabilen Hang informiert, der jetzt die Kerschbaumsiedlung bedroht? „Ja“, sagt der Besitzer eines beschädigten Hauses in der Siedlung. „Das geht aus einer Diplomarbeit aus dem Jahr 1991 hervor, die ich auf der Uni gefunden habe.“

Der Naviser hat inzwischen auch den Autor in Kanada über Facebook aufgespürt. Und dabei erfahren, dass der damalige Geologie-Student und sein Professor die Gemeinde vor über 20 Jahren gewarnt haben. „Sie ließen sich das sogar mit einer Unterschrift bestätigen“, so der Bewohner der Kerschbaumsiedlung, der jetzt auf einen entscheidenden Beweis im Rechtsstreit mit der Gemeinde hofft.

Der Naviser und ein weiterer Bewohner der Kerschbaumsiedlung werfen der Gemeinde vor, trotz Kenntnis vom instabilen Hang die Errichtung der Kerschbaumsiedlung genehmigt zu haben. „Die Häuslbauer wurden allerdings nicht informiert.“

Was jetzt zu juristischen Konsequenzen führte: Die beiden Bewohner der Kerschbaumsiedlung haben die Gemeinde auf Übernahme der Folgekosten geklagt. Anders ausgedrückt: Die Gemeinde soll für die Schäden an den Gebäuden, verursacht durch den instabilen Hang, haften. Das Zivilverfahren ist im Gang.

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Die Naviser Kerschbaumsiedlung ist aber auch ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Auslöser des Ermittlungsverfahrens ist eine Anzeige, die die zwei Bewohner der Kerschbaumsiedlung erstattet haben. „Und zwar wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs und der Gemeingefährdung“, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Der beschuldigte Bürgermeister Hubert Pixner will sich zu den Vorwürfen nicht äußern: „Das ist ein laufendes Verfahren.“ Das auch Pixners Vorgänger betreffen würde. Doch der Alt-Bürgermeister ist bereits gestorben.

Zur Erinnerung: Vor etwa einem Jahr traten bei etwa 20 Häusern in der Kerschbaumsiedlung Risse und andere Schäden auf. Eine Folge des instabilen Hanges, auf dem die Siedlung errichtet wurde, befanden Experten.

Dass der Hang „kriecht“, war nicht neu. Schon 2001 führten beschädigte Häuser zu Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen. Mit Drainagen haben die Experten die Entwässerung des Erdreichs verbessert. Zunächst mit Erfolg – die Lage beruhigte sich, was wohl auch mit dem niederschlagsarmen Sommer 2003 zusammenhing. Doch mit den stärkeren Regenfällen der letzten Jahre kehrten auch die Probleme zurück.


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