Malaysischer Oppositionsführer wegen Homosexualität verurteilt

Anwar spricht von einer politischen Schmierenkampagne.

Kuala Lumpur – Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist am Freitag überraschend wegen Homosexualität schuldig gesprochen worden. Ein Berufungsgericht hob das zwei Jahre alte Urteil einer niedrigeren Instanz auf. Die Richter sahen es laut Anwälten einstimmig als erwiesen an, dass der 66-Jährige 2008 Geschlechtsverkehr mit einem Mitarbeiter hatte. Homosexualität ist in dem islamischen Land verboten.

Homosexualität kann mit 20 Jahren Haft bestraft werden. Beobachter rechneten mit einer umgehenden Berufung Anwars gegen das Urteil. Anwar hat die Anklagen stets als politische Schmierenkampagnen gebrandmarkt. Er vermutete die Regierung hinter der Anklage, weil er damals dabei war, deren Macht mit einem erfolgreichen Oppositionsbündnis anzugreifen.

Anwar war 1999 bereits einmal wegen Korruption und Homosexualität verurteilt worden. Das Urteil wegen Homosexualität wurde später aufgehoben. Menschenrechtsorganisationen und Juristenverbände in aller Welt kritisierten die Prozesse scharf. Anwar ist mit der Politikerin Wan Azizah Wan Ismail verheiratet und hat sechs Kinder.

Der ehemalige Finanzminister, der sich mit der seit der Unabhängigkeit 1957 ununterbrochen regierenden Koalition überwarf, steckt gerade wieder im Wahlkampf: Er will im bevölkerungsreichsten Teilstaat Selangor Lokalwahlen gewinnen und dann bei den nächsten Wahlen spätestens 2018 erneut antreten. Bei der Wahl 2013 war sein Bündnis zwar unterlegen, hatte der Koalition aber das schlechteste Ergebnis aller Zeiten beschert. (APA)

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