Stichwahl

Kopf-an-Kopf-Rennen bei Präsidentenwahl in El Salvador

Die Stichwahl in El Salvador gilt als Richtungsentscheidung: Wird die Sozialpolitik weitergeführt oder schwenkt das Land auf einen wirtschaftsliberalen Kurs um? Die Abstimmung dürfte denkbar knapp ausgehen. In der Wahlnacht zeichnete sich zunächst kein Sieger ab.

San Salvador – Angespannte Stimmung in El Salvador: Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Präsidentenwahl steht noch kein klarer Sieger fest. Salvador Sánchez Cerén von der regierenden Linkspartei FMLN lag nach der Auszählung von 99,90 Prozent der Stimmen in der Nacht auf Montag (Ortszeit) mit gerade einmal gut 6000 Stimmen vor Norman Quijano von der rechtskonservativen Partei Arena.

Beide Parteien erklärten jeweils ihren Kandidaten zum Sieger. Er habe die Wahl gewonnen und das Wahlamt halte das Ergebnis absichtlich zurück, sagte Quijano bei einer Kundgebung. Er werde den Sieg von Arena notfalls mit seinem Leben verteidigen, rief er seinen aufgebrachten Parteifreunden zu. Er forderte die Streitkräfte und die Polizei auf, den Volkswillen zu schützen.

Wütende Arena-Anhänger zogen vor das Wahlamt und verlangten eine zügige Bekanntgabe des Ergebnisses. „Arena ist die klare Siegerin dieser Wahl und das Wahlamt muss in dieser Nacht das Ergebnis mitteilen“, sagte der Abgeordnete Roberto D‘Aubuisson.

Wahlamtschef fordert Zurückhaltung der Parteien

Auch Sánchez Cerén reklamierte den Sieg für sich. Die Wähler hätten sich für eine Fortführung der FMLN-Politik entschieden. Er sagte vor seinen Anhängern allerdings auch, er werde das Auszählungsergebnis des Wahlamtes respektieren.

Wahlamtschef Eugenio Chicas forderte die Parteien zur Zurückhaltung auf. Niemand solle sich zum Sieger erklären, bevor das vorläufige Ergebnis bekanntgegeben werde, sagte er.

Mehr als 20 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs stehen sich die politischen Lager in El Salvador noch immer unversöhnlich gegenüber. Die FMLN ist aus der linksgerichteten Guerillabewegung hervorgegangen, die oppositionelle Arena wurde einst von Mitgliedern der rechten Todesschwadrone gegründet.

Auch persönlich könnten der frühere Guerillakommandeur Sánchez Cerén und der innenpolitische Hardliner und Antikommunist Quijano unterschiedlicher kaum sein.

In der Stichwahl stimmen die Salvadorianer auch darüber ab, ob eine linke, sozialdemokratische Politik fortgeführt wird, oder ob das Land auf einen wirtschaftsliberalen Kurs umschwenkt. Die Sozialprogramme der amtierenden Regierung sind vor allem in der Unterschicht äußerst populär. Die Wirtschaftselite des Landes hingegen fordert, die Regierung müsse für mehr Sicherheit sorgen und den privaten Sektor besser schützen. (dpa)