Fall Lucile: Keine Verbindung zu Verbrechen in Bayern
Der mutmaßliche Mörder einer Zwölfjährigen in Bayern dürfte mit der Gewalttat in Kufstein nichts zu tun haben. Das ergab ein Vergleich der Fälle in Ingolstadt.
Von Thomas Hörmann
Ingolstadt – Besteht eine Verbindung zwischen dem Mord an einer Zwölfjährigen in Bayern und dem Fall Lucile? Diese Frage stand am Dienstag im Zentrum eines Kriminalistengipfels in Ingolstadt. Beamte des Landeskriminalamtes in Innsbruck trafen sich mit ihren Ingolstädter Kollegen, um abzuklären, ob Stefan B. – mutmaßlicher Mörder von Franziska O. – auch für den Tod der französischen Studentin in Kufstein verantwortlich ist.
Eher nein, lautet die Antwort: „Mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit besteht zwischen den Morddelikten kein Zusammenhang“, fasst Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes, das Ergebnis des Kriminalistentreffens zusammen: „Es gibt keinerlei Hinweise, dass der Verdächtige zur Tatzeit in Kufstein war. Auch das Phantombild des Kufsteiner Verdächtigen hat mit dem Mann aus Bayern keine Ähnlichkeit.“ Dazu kommt, dass die beiden Gewaltdelikte trotz oberflächlicher Parallelen bei näherer Betrachtung wenig Ähnlichkeiten aufweisen: „Die Modi der Straftaten passen einfach nicht zusammen“, so Pupp weiter: „Endgültig Sicherheit gibt’s aber erst, wenn das Ergebnis des DNA-Vergleichs vorliegt.“ Das wird allerdings noch etwas dauern.
Zur Erinnerung: Lucile K. wurde in der Nacht zum 12. Jänner auf der Kufsteiner Innpromenade ermordet. Erschlagen mit einem Stahlrohr, schon der erste von vier Hieben gegen den Kopf des Opfers war tödlich. Seither sind das iPhone und die Handtasche der Austauschstudentin aus Lyon verschwunden.
Allerdings gibt’s Indizien, dass das Handy nicht der Mörder mitgenommen hat. Die Auswertung der Daten der Telefongesellschaft ergaben nämlich, dass das Smartphone mit der rosa Hülle noch Stunden nach der Gewalttat in Tatortnähe eingeloggt war. Die Schlussfolgerung der Ermittler: Vermutlich hat ein Passant das iPhone am Sonntagmorgen entdeckt und einfach mitgenommen. Ein Appell an den unehrlichen Finder, das Fundstück der Polizei zu übergeben, blieb bisher ohne Resonanz.
Luciles Handy ist nicht zum ersten Mal unauffindbar: Wie aus Einträgen des Mordopfers Ende November im sozialen Netzwerk Twitter hervorgeht, ist das Smartphone bereits damals kurzfristig verschwunden. „iPhone gestohlen. Adieu WhatsApp, Instagramm . . . lass mich sterben.“
Doch schon einen Tag später tauchte das Telefon unter ungeklärten Umständen wieder auf: „Handy im Postkasten des Studentenwohnheims gefunden“, schrieb Lucile erleichtert auf Twitter. Und bedauerte wenig später, dass „der Dieb in der Nacht einige Photos (mit dem Handy; Anm.) ohne Blitz machte. Scheiße.“
Zwei Tage vor ihrem Tod irritierte die lebenslustige Französin mit einem weiteren Twitter-Eintrag, der so gar nicht zu ihren sonstigen Postings passen will: „Die Menschen sind enttäuschend“, lautete ihre Twitter-Botschaft vom 9. Jänner.
Möglicherweise lag der Grund für die Enttäuschung in Frankreich – Lucile ist erst wenige Tage vor dem Twitter-Eintrag aus Lyon nach Tirol zurückgekehrt. Ob Luciles Postings einen Bezug zu ihrem Tod haben, ist unklar.
Die Studienkollegen der Erasmus-Studentin haben ihre Ausbildung an der Fachhochschule Kufstein mittlerweile abgeschlossen und sind im Februar in ihre Heimatländer zurückgekehrt. „Für uns ist das kein Problem“, sagt Pupp: „Wir haben mit den Leuten längst gesprochen. Wenn wir noch etwas brauchen, wissen wir, wo sie zu finden sind.“