Richter würgte vor seiner Erschießung israelischen Soldaten
Der Zwischenfall sorgt für Spannungen zwischen Israel und Jordanien.
Jerusalem – Die Erschießung eines jordanischen Richters durch israelische Grenzsoldaten hat zu diplomatischen Spannungen zwischen Israel und Jordanien geführt. Die israelische Militärpolizei legte am Dienstag einen „vorläufigen Untersuchungsbericht“ vor.
Dieser kommt zu dem Schluss, der Getötete habe sich Montagfrüh kurz nach dem Grenzübertritt ins Westjordanland der Waffe eines Soldaten bemächtigen wollen und einen anderen gewürgt, bevor er tödlich getroffen wurde. Palästinensische Zeugen sagten dagegen, es sei wegen einer Zigarette zu einem Streit gekommen, bei dem die Schüsse fielen.
Jordaniens Außenminister Nasser Judeh hatte nach dem Vorfall den Geschäftsträger der israelischen Botschaft in Amman ins Außenamt zitiert und ihm „die entschiedene Verurteilung“ der Tat durch sein Land mitgeteilt. Die jordanische Regierung verlange unverzüglich einen vollständigen Bericht über das Geschehen, sagte Judeh. Etwa zweihundert Demonstrant forderten am Montagabend vor der Botschaft die Ausweisung des israelischen Gesandten.
Die Militärpolizei berichtete am Dienstag, der 38 Jahre alte Richter, der auch die palästinensische Staatsangehörigkeit besaß, habe sich auf der westlichen Seite des Übergangs Allenby-Brücke eine Metallstange schwingend mit dem Ruf „Allahu Akbar“ (Gott ist der Größte) auf einen Soldaten gestürzt, um ihm das Gewehr zu entreißen. Die Militärangehörigen hätten auf seine Beine geschossen, aber der Mann habe einem Soldaten den Hals zugedrückt, woraufhin er erschossen worden sei. Alle Zeugen seien „umfassend befragt“ worden, aber die Untersuchungen würden fortgesetzt.
Das palästinensische Westjordanland ist seit dem Sechstagekrieg von 1967 von der israelischen Armee besetzt, die auch die Außengrenzen kontrolliert. Zu Zwischenfällen kommt es an der Grenze zu Jordanien nur sehr selten. Zwischen Israel und Jordanien gibt es seit 20 Jahren einen Friedensvertrag und Kooperationen auf vielen Ebenen. (APA/AFP)